Frugal leben mit Kindern

Frugal leben mit Kindern

Kinder sind teuer – wenn man viel für sie kauft. Dabei ist frugal leben mit Kindern ganz einfach. Ich habe drei Prinzipien ausgemacht, die dir dabei helfen, eine Menge Geld zu sparen – egal, wie viele Kinder du hast!

Frugal leben mit Kindern: fünfhundertneunzehn Euro

Shiraz, 21.30 Uhr. Die Hauptstraßen sind voller Menschen, darunter viele Kinder. Babys werden von ihren Vätern unterm Arm getragen wie Handtaschen. Spezielles Equipment, Kinderwagen, Tragehilfen – Fehlanzeige. Im Iran laufen Kinder wie an vielen Orten auf der Welt „einfach so mit“.

In Deutschland beginnt der Stress schon in der Schwangerschaft. Eine größere Wohnung muss her, schließlich braucht der Nachwuchs ein eigenes Zimmer. Anschaffungen müssen getätigt, eine Wunschliste angefertigt und in einem Geschäft hinterlegt werden. Geburtskarten wollen entworfen, adressiert und versandt werden.

Laut Statistischem Bundesamt geben deutsche Eltern für ein Kind in den ersten sechs Lebensjahren monatlich 519 € aus. Bis zur Volljährigkeit sind es insgesamt 130.000 €.

519 € monatlich, und das in einem Land, in dem Krippen- und Kindergartenplätze zum großen Teil kostenlos sind. Wofür wird das Geld ausgegeben?

Der Studie des Statistischen Bundesamts zufolge wird das meiste Geld für Miete, Heizung, Energie (116 €) und Nahrungsmittel (94 €) aufgewandt. Hinzu kommen Ausgaben für Kleidung (53 €), Betreuung (48 €), Verkehr (46 €), Möbel und Haushaltsgeräte (35 €), Gesundheit (29 €) und Spielzeug (26 €). Für Einwegwindeln werden im Schnitt 50 € monatlich ausgegeben.

Einige dieser Ausgaben sind notwendig, etwa Aufwendungen für Gesundheit und Betreuung. Die meisten lassen sich jedoch reduzieren oder auf ein Minimum beschränken.

Ich habe im zweiten Lebensjahr meiner Tochter durchschnittlich 50 Euro im Monat für sie ausgegeben. Von dem Kindergeld, das wir für sie bekommen (und das geringer ist als der in Deutschland gezahlte Betrag), spare ich über die Hälfte.

Wie mache ich das?

Ich habe drei Prinzipien ausgemacht, die dir helfen, mit Kindern Geld zu sparen und ihnen dennoch alles zu geben, was sie brauchen.

Prinzip 1: Weniger kaufen

Ein Baby braucht weder eine Erstausstattung für 3000 € noch Kleidung für über 600 € im Jahr.

Babys brauchen Wärme, Nähe und Nahrung. Wenn sie nicht abgehalten werden („windelfrei“), kommen noch Windeln hinzu.

Kleinkinder brauchen Zeit zum Spielen, Entdecken und Ausprobieren. Und ganz viel Nähe zu ihren Eltern (und anderen Bezugspersonen).

Weniger wichtig sind ein Designer-Buggy, drei Winterjacken und pädagogisch wertvolles Spielzeug.

Um frugal zu leben und mit Kindern Geld zu sparen, frage dich, was dein Kind wirklich braucht, bevor du etwas kaufst.

Kleidung

Jedes Kind hat unterschiedliche Bedürfnisse, was Kleidung angeht. Das beginnt bereits in den ersten Monaten: Spuckbabys benötigen mehr Bodys und Strampler als Kinder ohne Reflux.

Kleinkinder, die sich nicht gegen das Lätzchen wehren oder früh ordentlich essen können, brauchen weniger Hosen und Oberteile als ungestüme oder ungeschickte Esser.

Innerhalb dieser Vorgaben lässt sich die Kleidung auf ein Minimum reduzieren. Wozu braucht ein Baby vier Mützen? Und wann trägt es zwanzig Paar Socken? Zieht der Dreijährige wirklich alle zehn Strickjacken an, die seine Eltern für ihn gekauft haben?

Um von vornherein die Ausgaben für Kleidung zu begrenzen, hilft das Konzept einer Capsule Wardrobe:

  1. Kaufe Basics aus Naturmaterialien, die bequem zu tragen sind.
  2. Kombiniere ein bis zwei neutrale Grundfarben mit Akzentfarben, die zum Farbtyp deines Kindes passen.
  3. Ignoriere alle Arten von Kleidungsstücken, die unbequem sind oder nicht zu euch passen. Meine Tochter trägt zum Beispiel nie Pullover, weil es in unserem Zimmer und in der Kita immer sehr warm ist.

Nahrung

Es gibt eine Unzahl an Lebensmitteln, die speziell für Kinder produziert werden: Angefangen von Brei und Babykeksen über Joghurts, Quetschies, Minigemüse und Schmelzflocken, bis hin zu Mineralwasser und einzeln verpackten Reis-, Mais- und Dinkelwaffeln.

Um mit Kindern frugal zu leben und Geld zu sparen, hilft das Prinzip Back to basics.

Kinder können ganz normale Lebensmittel essen, am besten so unverarbeitet wie möglich.

Das hat zwei Vorteile:

  • Selbstgekochtes Essen aus natürlichen Lebensmitteln enthält keine versteckten Zusätze oder Zucker, was besser für die Gesundheit deiner Kinder ist.
  • Selber kochen ist günstiger. Du sparst nicht nur Geld, sondern auch Zeit fürs Einkaufen.

Ich habe in meinem Leben noch kein einziges Breigläschen gekauft. Stattdessen habe ich den Brei selber gekocht: einfach, schnell und günstig.

Accessoires

Gerade für Babys kommt hier einiges an Kosten zusammen.
Wippe, Walker, Wickeltisch, Wickeltasche…

Vieles davon ist unnötig.

Ich habe meine Tochter auf dem Boden gewickelt, so konnte sie nirgendwo herunterfallen. Anstatt einer Lauflernhilfe nahm sie sich einfach einen Stuhl und schob damit herum. Eine Wippe haben wir nie vermisst und statt einer Wickeltasche habe ich einfach meinen Rucksack genommen (wenn überhaupt).

Spielzeug

Brauchen deine Kinder wirklich noch ein Stofftier, noch ein Plastik-Musikinstrument und weitere blinkende Etwasse?

Anstatt immerfort neue Spielsachen zu kaufen, orientiere dich an der Funktion, die Spielzeuge haben. Viele Dinge habt ihr sicher schon, andere lassen sich umfunktionieren oder für wenig Geld besorgen.

  • Sortieren und zuordnen: Kastanien, Knöpfe, Karten, Becher, Aufkleber, Puzzles, Stofftiere
  • Imitieren: einkaufen gehen, sich um ein Baby kümmern, kochen, werken
  • Bauen und konstruieren: Bauklötze, Legos, Holzeisenbahn, Tücher und Decken zum Höhlebauen
  • Werfen, fangen, rollen: Ball, Murmeln, Auto
  • Verkleiden: Mützen, Schals, Sonnenbrillen, Krawatten, Umhänge…

Hinzu kommen kuscheln (Stofftiere und Puppen) und lesen bzw. anschauen (Bücher).

Fällt dir noch mehr ein? Schreib es gerne in die Kommentare!

Prinzip 2: Anders kaufen

Kindersachen sind wie Neuwagen: Kaum aus dem Geschäft herausgefahren, verlieren sie zwei Drittel ihres Wertes.

Der Gebrauchtmarkt für Kleidung, Spielzeug, Buggys und Bettchen ist so proppenvoll, dass viele ihre Sachen zu Spottpreisen verkaufen. Langarmshirts, Hosen und Jacken, die im Laden 19,99 € oder 29,99 € gekostet haben, bekommst du auf Vinted (dem neuen Mamikreisel) für 1 Euro. Und das auch nur, weil Artikel für geringere Beträge dort nicht angeboten werden können.

In Sozialkaufhäusern und Secondhandshops ist es sogar noch günstiger. Puzzle für 0,25 €, Hosen für 0,75 €, Stofftiere für 0,40 €, Kinderstühle für 2,00 € – und das sind belgische Preise.

Kurzum: Gebraucht kaufen ist günstig und nachhaltig. Denn warum sollen neue Dinge produziert werden, wenn unsere Welt von Zeug bereits überquillt?

Möbel

Möbel gebraucht zu kaufen lohnt sich besonders, da sie im Vergleich zu Billigwaren vom Inneneinrichtungs-Discounter eine lange Lebensdauer haben.

Wenn du offline oder auf eBayKleinanzeigen nicht fündig wirst, schau mal auf Facebook Marketplace nach. Hier haben wir Beistellbett, Kinderbett, Kinderwagen, Buggy und Hochstuhl gekauft und rund 350 € ausgegeben. Nach der Nutzung haben wir fast alles wieder verkauft und 330 € eingenommen.

Kleidung

Wenn du das erste Mal auf Vinted oder eBayKleinanzeigen nach Kinderkleidung schaust, wirst du vielleicht überwältigt sein von der angebotenen Masse.

Hier meine Tipps und Tricks, mit denen du nicht nur schnell das Richtige für deine Kinder findest, sondern auch einfach Geld sparen kannst:

  • Entscheide dich für eine Handvoll Lieblingsmarken, von denen du Schnitt und Größen kennst. So kannst du gezielt nach der richtigen Marke und Größe suchen.
  • Sortiere die Ergebnisse nach „Niedrigster Preis zuerst“. Oft wird die gleiche Jacke von Verkäufern zu sehr unterschiedlichen Preisen angeboten.
  • Wenn du etwas gefunden hast, was dir gefällt, sieh nach, welche Artikel der Verkäufer noch anbietet. Aber kaufe nur, wenn du die Sachen wirklich brauchst!
  • Finde Verkäufer, deren Kinder etwas älter sind als deine, und die einen ähnlichen Geschmack wie du haben. Ich folge einigen Müttern auf Vinted, die regelmäßig schöne und hochwertige Sachen anbieten, die meiner Tochter jetzt oder in ein paar Monaten passen werden.
  • Suche nach „Set“ und „Kleidungspaket“. Günstiger wird es nicht. Hier bekommst du 20 oder mehr Teile für ein paar Euro. Vielleicht entsprechen nicht alle Stücke deinem Geschmack, aber zum Draußenspielen und Toben reicht es allemal.

Jenseits der genannten Plattformen gibt es noch viele weitere tolle Online-Shops für gebrauchte Kinderkleidung:

  • MamaMia
    Kinderkleidung zu günstigen Preisen
  • Netflea
    Kleidung für die ganze Familie
  • Mini Maxi Mix
    Übersichtliche Seite mit einem großen Angebot für Kinder
  • Hosenmatz Kindersecondhand
    Hier gibt es Kleidung, Bücher, Spielsachen und Accessoires.
  • Percentil
    Fast neue Mode gängiger Marken für die ganze Familie.
  • ubup
    Deutschlands größter Secondhand-Online Shop, keine Versandkosten

Prinzip 3: Leihen

Du leihst dir etwas, das du brauchst, und gibst es zurück, wenn du es nicht mehr benötigst. Einfacher geht es nicht!

Was für viele mit Büchern selbstverständlich ist, funktioniert auch mit Kleidung, Spielsachen und anderen Kindergegenständen.

In den sozialen Netzwerken gibt es regionale Gruppen von Eltern, die Leihzirkel organisieren – schau einfach mal nach!

Bildquelle: © Unsplash: Artyom Kabajev (Beitragsbild)

Wie viel Geld gibst du für deine Kinder aus? Hast du noch weitere Spartipps? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Kommentare

  1. Stephanie says:

    Hallo Marion,
    Deine Artikel waren wieder sehr interessant.Besonders gut hat mir gefallen,was du über die Bedürfnisse von Kindern geschrieben hast .
    Ich arbeite in einer Kita und glaube zu wissen, worüber ich spreche.
    Vielleicht lernen wir aus dieser ganzen Coronazeit,dass man auch mit weniger Konsum auskommt.Müssen jede Woche neue Klamotten gekauft werden? Eigentlich ist doch alles im Überfluss schon da.
    Warum nicht Secondhand,wenn was neues gebraucht wird?
    Dein Tipp,wo es gute, gebrauchte Kleidung gibt find ich toll.
    Ich freu mich schon auf deine nächsten Artikel.
    Bis dahin ,alles Gute und bleibe gesund!

    Antworten
    1. Marion says:

      Hallo Stephanie,

      vielen Dank für deinen Kommentar, du sprichst mir aus der Seele.

      Hoffentlich hast du Recht und ein Ergebnis der Pandemie wird sein, dass wir unser Konsumverhalten ändern. 🙏🏻

      Herzliche Grüße
      Marion

      Antworten
  2. Kleeblättchen says:

    Hallo Marion!
    Super deine Zusammenfassung! Ich liebe es, deine Blogs zu lesen.

    Was mir zum Thema Spielsachen einfällt:
    Ein echtes Grundbedürfnis von Babys und Kleinstkindern ist das Matschen! Dazu kann man eigentlich auch gleich das spielerische Zerstören zählen. Wir als Eltern müssen natürlich (wenn es an der Zeit ist und in den Richtigen Situationen) den Kids vermitteln und lernen, dass kleckern und Kaputtmachen nicht die feine Englische Art ist. Aber wir können es ihnen auch an passender Stelle erlauben und Ventile für dieses Bedürfnis schaffen: Baden und im Matsch spielen, ausgelesene Zeitungen zerreißen oder sinnlos zerschneiden, Knete kneten ohne Ziel, etc..

    Als ich zum ersten Mal las, dass das Matschen von Kleinkindern eines der wichtigsten Bedürfnisse darstellt, konnte ich noch besser auf die Kiddies eingehen. Matschen und Kaputtmachen fördert die eigene Körperwahrnehmung und das Kind lernt die Materialien der Umwelt gut mit den Körperlichen Fähigkeiten zu verknüpfen.

    Wieder ein langweiliges, überflüssiges Spielzeug rausgeschmissen und dafür Dinge, die sowieso in den Müll fliegen würden zum Zerstören ausgehändigt! Super-effizient und befriedigend für die Kleinen Rabauken 😉

    Antworten
    1. Marion says:

      Hallo Kleeblättchen,

      vielen Dank für deinen Kommentar und das tolle Kompliment. 🥰

      Das mit dem Matschen ist allerdings eine spannende Erkenntnis!
      Meine Tochter liebt es in letzter Zeit, mit Spülschwamm und Schaum zu spielen, dabei vergisst sie alles um sich herum.
      Eine tolle Idee, Spielsachen gegen etwas auszutauschen, das eh kaputt gemacht werden kann.
      Da werde ich mich mal auf die Suche nach alten Zeitungen machen.

      Machst du Knete selbst, oder kaufst du welche?

      Herzliche Grüße
      Marion

      Antworten

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