Nähkästchen: Mein frugaler Alltag mit Kleinkind
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Nähkästchen: Mein frugaler Alltag mit Kleinkind

Partner finden, heiraten, Karriere machen, Haus bauen, Kinder bekommen – das klassische Modell.
Was bei mir anders ist und wie mein minimalistisch-frugaler Alltag mit Kleinkind aussieht, verrate ich dir in diesem Beitrag.

Schon mit 14 fand ich die Idee seltsam, mein Leben mit arbeiten zu verbringen, um dann die spärliche Freizeit zum Fernsehen und Shoppen zu nutzen. 40 Stunden die Woche schuften? Haus bauen? Karriere machen? Wozu?

Mittlerweile lebe ich das Leben, von dem ich immer geträumt habe, frei von Verpflichtungen und mit viel Zeit für die Menschen und Aktivitäten, die ich liebe.

1. Frugal wohnen

Das Zimmer, das wir zu dritt bewohnen, befindet sich im Haus der Mutter meines Freundes. Wir zahlen weder Miete noch Nebenkosten, wofür ich sehr dankbar bin.
Die Oma wohnt in der Etage unter uns, was toll für uns und für unsere Tochter ist.

Wie klappt das Wohnen auf so engem Raum?

  1. Wir sind daran gewöhnt. Der Mensch stellt sich schnell auf neue Umstände ein. Unser Zimmer ist für mich so normal wie für andere die Dreizimmerwohnung.
  2. Rückzugsecken: Das Zimmer bietet die Möglichkeit, sich in eine Ecke zurückzuziehen, zu der auch das Kind keinen Zugang hat.
  3. Genug Platz: Unsere Einrichtung ist schlicht und beschränkt sich auf das Nötigste. So gibt es genug Platz zum Rennen, Toben, Spielen und Sportmachen.
  4. Freiraum: In einer Beziehung ist es wichtig, dass jeder seinen Interessen nachgeht. Dafür braucht man nicht unbedingt getrennte Räume. Wenn ich abends auf dem Sofa-Wal lese, macht der Freund am Schreibtisch Videoschnitt.
  5. Unterschiedliche Rhythmen: Ich stehe gern früh auf, der Freund ist Nachtschwärmer. Praktisch, denn so hat jeder seine Lieblingstageszeit für sich. Ich kümmere mich morgens um das Kind, der Freund nachts.
  6. Nervig: Manchmal geht mir alles einfach nur auf die Nerven, die Menschen um mich herum und dass ich nicht alles allein bestimmen kann. Dann bin ich solange genervt, bis wieder die guten Seiten überwiegen.

Eine virtuelle Tour durch unser Zimmer gibt es auf meinem Instagram-Kanal (Actuals: Roomtour).

2. Minimalistisch arbeiten

Wir wohnen nicht nur in einem Zimmer, wir arbeiten hier auch.
Zwei Homeoffices in einem Zimmer, wie geht das?

Der Freund spricht mit Kunden und sitzt daher in der Rückzugsecke. Ich habe den königlichen Schreibtisch für mich.

Ich arbeite als virtuelle Assistentin, Texterin und Übersetzerin. Mir gefällt, dass ich ortsunabhängig arbeiten und mir meine Zeit frei einteilen kann.

Sonntage mochte ich noch nie – alles geschlossen, komische Stimmung, morgen Montag.
Jetzt arbeite ich sonntags und habe dafür am Donnerstag frei, wenn das Kind nicht in die Kita geht. Oder ich arbeite mittwochs doppelt so lange und kann an drei Tagen der Woche tun, was ich möchte.

Auf ein hohes Einkommen bin ich nicht angewiesen, da meine laufenden Kosten gering sind und ich Ersparnisse aus vorherigen Jobs habe.

3. Sport machen

Sport hält mich nicht nur fit, er macht mich auch glücklich.
Ich praktiziere fünfmal die Woche Ashtanga Yoga und gehe ein- bis zweimal laufen. Bei gutem Wetter fahre ich gern schnell weite Strecken mit dem Rad.

In diesem Jahr wurden in Belgien pandemiebedingt dreimal die Sporteinrichtungen geschlossen. Mir fällt es zwar leichter, Yoga täglich im Studio zu machen, dennoch ist es mir bisher ganz gut gelungen, auch im Lockdown meine Routine aufrechtzuerhalten.

Das Tolle an Yoga und Laufen ist, dass es minimalistische Sportarten sind und man nur sich selbst und eine Yogamatte bzw. Laufschuhe benötigt. Ich bin weder auf spezielles Equipment noch auf Öffnungszeiten von Sportstudios angewiesen.

Frugaler Alltag: Yoga

4. Kinderbetreuung

In Belgien ist es üblich, Kinder schon mit drei Monaten in die Krippe, die sogenannte Crèche, zu geben. Anfangs war ich entsetzt und fest entschlossen, bis zum dritten Geburtstag meiner Tochter zuhause zu bleiben.

Mittlerweile bin ich froh über die drei Crèche-Tage in der Woche. Ich kann fokussiert und produktiv arbeiten, das Kind lernt andere Kontexte, Regeln und Bindungspersonen kennen.

Dank der Kita bin ich viel ausgeglichener, was auch meiner Tochter zugute kommt.
Studien zufolge sind Eltern in Ländern mit früher Kleinkindbetreuung signifikant glücklicher als in Ländern ohne.

An den Crèche-freien Tagen kümmern mein Freund und ich uns zusammen um unsere Tochter. Dank Homeoffice hat sie viel mehr von ihrem Papa als das in klassischen Arbeitsverhältnissen oft der Fall ist.

Die räumliche Nähe zur Oma ist ein großer Vorteil: Sie badet und füttert die Kleine, spielt und unternimmt (Halbtags-)Ausflüge mit ihr. Einmal in der Woche übernachtet sie bei ihr und wir können durchschlafen.

Nähkästchen: Mein frugaler Alltag mit Kleinkind

5. Minimalistisch kochen und essen

Eine vollwertige pflanzliche Ernährung spielt eine große Rolle in meinem frugalen Alltag.

Dennoch wende ich nur ein bis zwei Stunden pro Woche fürs Kochen auf.

Wie das funktioniert?

  • Morgens faste ich, bei großem Hunger esse ich etwas Brot mit Tofu oder Sojajoghurt mit Obst.
  • Mittags mache ich mir einen schnellen Hülsenfrüchte-Salat mit Rucola, Chicorée oder Feldsalat, etwas Obst und Nüssen.
  • Am Wochenende koche ich vor und habe immer etwas da, das ich mir zum Abendessen aufwärme.
  • Das Kind isst einen Mix aus meinem Essen, Papas und Omas Gerichten.
Möchtest du mehr erfahren zum Thema minimalistisch essen mit Kindern? 
Dann ist mein Buch Minimalismus mit Kindern genau das Richtige für dich.

6. Entspannter Tagesablauf

Ich habe eine Reihe an Gewohnheiten entwickelt, um mir mein Leben so einfach wie möglich zu machen.

Ein durchschnittlicher Tag sieht bei mir so aus:

  • 5:15 Ich stehe auf und schreibe.
  • 7:15 – 9:15 Das Kind steht auf, frühstückt, wir spielen und fahren zur Kita.
  • 9:30 – 10:30 Ich mache Yoga und dusche.
  • 10:30 Leichtes Frühstück
  • 11:00 – 13:00 Ich schreibe weiter für den Blog oder arbeite.
  • 13:00 – 14:00 Mittagspause mit kleinem Spaziergang und Lesen.
  • 14:00 – 16:15 Ich arbeite, erledige Dinge im Haushalt und hole unsere Tochter ab.
  • 16:30 – 19:00 Wir spielen und essen zu Abend.
  • 19:00 – 21:30 Die Kleine geht ins Bett, ich lese ein Buch, wir schauen einen Film oder gehen noch ein bisschen spazieren.

An Kita-freien Tagen arbeite ich weniger und unternehme mehr mit meiner Tochter. Im Sommer rasen wir gern auf dem Rad durch die Gegend, im Winter gehen wir viel spazieren.

Fahrradfahren ist eine tolle minimalistische Beschäftigung, die Kindern viel Spaß macht

Zweimal in der Woche gehe ich außerdem zum Gesangs- und Musikunterricht, das nimmt insgesamt drei Stunden in Anspruch (mit Hin- und Rückfahrt).

Das Hobby Shoppen habe ich aufgeben. Auch Lebensmittel kaufe ich nur einmal in der Woche ein.
So habe ich viel mehr Zeit für mich und meine Familie.

Stress empfinde ich nur selten. Und er ist immer selbstgemacht: Ich möchte morgens losfahren, das Kind zieht sich selber an. Ich möchte eine Arbeit zu Ende bringen, das Kind will spielen. Ich möchte abends entspannen (der Freund auch), das Kind will nicht schlafen.

In diesen Situation hilft mir Durchatmen, Akzeptieren und Loslassen: „Dann ist das jetzt halt so.“

7. Frugaler Alltag: Meine monatlichen Ausgaben

Dank meines minimalistischen Lebensstils gibt es eine Menge Dinge, die es nicht gibt:

  • Auto inkl. Parkplatzsuche, Tankkosten, Wartungen und Reparaturen
  • Miete und Nebenkosten
  • Versicherungen (außer Krankenversicherung)
  • Rechnungen
  • Immobilienkredite
  • Konsumschulden
  • Monatliche Ausgaben für (Kinder-)Kleidung

Meine monatlichen Ausgaben beschränken sich auf die Sozialabgaben als Selbstständige, die Kosten für die Kita, eine Sparanlage, gelegentliche Café- und Restaurantbesuche Essensbestellungen, Ausflüge und Bahnfahrten.

8. Frugal leben = schnorren?

Ein kritischer Geist könnte nun sagen: Das ist alles nur möglich, weil du umsonst wohnst und dich bei deiner Schwiegermutter durchschnorrst.

Findest du auch, dass Politiker zu viel Geld verdienen?
Dass Frau Merkel mit ihren 35.177 Euro Monatsgehalt unverschämt gut bezahlt wird?
Dann möchtest du sicher gern ihren Job machen? 80-Stunden-Woche, permanent in der Öffentlichkeit stehen, für alles verantwortlich sein, ohne je etwas gut zu machen.
Nein? Warum denn nicht, wenn sie so toll verdient?

Natürlich wäre mein Leben anstrengender und weniger frugal, wenn ich selber für Miete, Nebenkosten, Strom und Internet aufkommen würde.
Ich hätte weniger Zeit für meine Tochter, würde mehr arbeiten und hätte keine Oma im Haus, die sich zwischendurch um ihre Enkelin kümmert.

Möchtest du mit deinen Schwiegereltern zusammenwohnen? Ich spreche nicht von einer Doppelhaushälfte, sondern von einer (kleinen) WG.
Nein?
Warum denn nicht, wenn man sich damit das Leben so schön einfach machen kann?

Bildquelle: © Unsplash.comBenjamin Manley (Beitragsbild)

Wie sieht dein (frugaler) Alltag aus? Wann und wie verbringst du Zeit mit deiner Familie? Wie oft nimmst du dir Zeit für dich selbst? Ich bin gespannt auf deinen Kommentar!

Marion

Marion

Kommentare

  1. Nina says:

    Liebe Marion,

    ich habe zufällig Deinen Blog entdeckt und lese mich gerade gespannt durch Deine Beiträge! Was mich super interessieren würde: könntest Du vielleicht mal Deine minimalistische Garderobe zeigen? Das wäre super interessant 🙂

    Viele liebe Grüße,
    Nina

    Antworten
    1. Marion says:

      Liebe Nina,

      vielen Dank für deinen Kommentar und die tolle Idee, das werde ich unbedingt mal machen!

      Herzliche Grüße
      Marion

      Antworten

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