Minimalistische Weihnachten

Minimalistische Weihnachten: Minimalistisch Weihnachten feiern

Minimalistische Weihnachten – geht das überhaupt? Wie passen Lichterketten, Baumschmuck, Völlerei und Geschenkeflut zu kahlen weißen Wänden und Enthaltsamkeit? Ich finde: Minimalismus und Weihnachten ergänzen einander wie die Heiligen Drei Könige und der Stern von Betlehem.

Weihnachten ist mein allerliebstes Fest. Die geschmückten Straßen, die Lichter und Düfte, die Pläne und die Vorfreude, die Lieder, die Besinnlichkeit und Festlichkeit – an Weihnachten werde ich wieder zum kleinen Kind.

Minimalismus und Weihnachten haben auf den ersten Blick nicht viel miteinander gemein. Spekulatius nach den Sommerferien, drei Adventskalender für den Nachwuchs, Werbung und Geschenke von allen Seiten. Weihnachten ist fest in der Hand des Kapitalismus.

Dennoch: Jeder bestimmt selber, wie er Weihnachten feiern möchte. Niemand zwingt mich, allen Familienmitgliedern ein Geschenk im Gegenwert von mindestens 50 Euro zu machen. Ich entscheide, welche Dekoration ins Haus kommt und welche Süßigkeiten im Einkaufswagen landen.

Wir feiern dieses Jahr das erste Mal Weihnachten als Familie nicht in Deutschland, sondern bei uns zu Hause. Minimalistische Weihnachten im Selbstversuch sozusagen. 😉

1. Minimalistische Weihnachtsdekoration

In unserem Zimmer habe ich eine Ecke weihnachtlich geschmückt. Auf dem Kühlschrank steht eine rot leuchtende Weihnachtsbaumlampe, die ich von der Schwiegermutter geliehen habe. Darüber hängen der Adventskalender, zwei Karten und eine weihnachtliche Collage, die ich mit meiner Tochter gebastelt habe.

Eine Zimmerpflanze trägt Goldschmuck, an wechselnden Orten hängt ein weihnachtliches Fensterbild (= Spielzeug des Jahres). Beides habe ich zusammen für 0,45 € im Kringwinkel gekauft.

2. Adventskalender

Ich wollte einen Kalender mit Bildern basteln.

Ehrlich.

Am Tag vor dem ersten Dezember klickte ich mich durch „einfache und schnelle“ Bastelanleitungen, die mir den Schweiß auf die Stirn trieben.

Zufällig entdeckte ich später beim Einkaufen einen luxuriösen Marken-Adventskalender – und kaufte ihn. Nicht vegan, Plastik, teuer, blöde Firma: der Adventskalender entspricht nicht meinen Werten.

Aber das Kind liebt ihn. Der Freund auch. Und ich bin froh, dass es einen Adventskalender gibt.

Nächstes Jahr mache ich mir rechtzeitig Gedanken und kaufe einen nachhaltigen und veganen Kalender. Oder ich versuchs nochmal mit dem Basteln.

3. Adventskranz

Vier Kerzen, ein Teller mit Weihnachtsmotiv – fertig ist der Adventskranz.

4. Weihnachtsmarkt

Auch in Belgien gibt es 2020 keine Weihnachtsmärkte. Nicht so schlimm, denn verglichen mit dem deutschen Original ist zumindest der Antwerpener Weihnachtsmarkt ein Trauerspiel. Die Lichter und der Schmuck sind toll, die Disko-Mucke und der ungenießbare Glühwein aus Styroporbechern eher weniger.

5. Weihnachtsbäckerei

Leider ist die Etage mit richtiger Küche zur Zeit vermietet, sodass wir keinen Zugang zu einem Backofen haben. Plätzchen backen – nächstes Jahr.

Anstelle von Weihnachtsplätzchen backe ich am Wochenende Pfannkuchen zum Frühstück. Mit Birnen im Teig, etwas Zucker und Zimt und Pflanzenjoghurt können sich die Pfannkuchen locker mit Weihnachtskeksen messen – gesünder und sättigender sind sie allemal.

6. Weihnachtssüßigkeiten

Jedes Jahr gibt es von allen Seiten Tipps, um ohne Extrakilos durch die Vorweihnachtszeit zu kommen.

Für mich heißt minimalistische Weihnachten auch: weniger einkaufen.

Zum Discounter gehe ich, um Pflanzenmilch, Sojajoghurt, Tofu und vegane Margarine zu kaufen. Alles andere besorge ich im Unverpacktladen und auf dem Markt. Die Versuchungen halten sich da in Grenzen. Und im Discounter nehme ich das, was ich brauche und suche so schnell wie möglich wieder das Weite – es sei denn, ich bin auf der Jagd nach einem Adventskalender.

Meine Lieblingssüßigkeit in der Vorweihnachtszeit sind übrigens Kakis. Mit ihrer vanilligen Süße und der puddingartigen Konsistenz können sie es locker mit Spekulatius und Lebkuchen aufnehmen.

7. Minimalistische Weihnachtsgeschenke

Der Verwandtschaft in Deutschland schicke ich Weihnachtskarten mit Fotos vom Kind. Mein Freund wünscht sich Kopfhörer Kamerazubehör einen Reiskocher ein Leinenhemd.
Meine Tochter bekommt eine Puppe. Sie liebt es, ihre Stofftiere mit sich herumzuschleppen, ihnen zu Essen und zu Trinken zu geben und sie aufs Töpfchen zu setzen. Ich fand Puppen immer doof, aber für sie ist das genau das Richtige.

Ich schenke, um anderen eine Freude zu machen. Dafür brauche ich nicht hunderte Euro auszugeben oder jede freie Minute auf Amazon zu verbringen.

Seit Jahren wünsche ich mir keine materiellen Geschenke mehr. Dieses Jahr auf Platz 1 meines Wunschzettels: Ein paar freie Tage ganz für mich allein. 🙂

8. Vorweihnachtszeit: spielen, malen, singen

Das schönste Geschenk ist, Zeit miteinander zu verbringen.

In der Vorweihnachtszeit achte ich besonders darauf, meiner Tochter viel Exklusivzeit zu widmen.
Wir schauen Weihnachtsbilderbücher an, malen Weihnachtsbäume, Sterne und Krippentiere, singen und tanzen Weihnachtslieder.

Kinder lieben Musik und singen.

Wenn du mit deinen Kindern singen möchtest, sind die Bücher vom Liederprojekt toll. Wir haben das Buch Weihnachtslieder für Kinder, es enthält klassische deutsche Weihnachtslieder und einige internationale und moderne Stücke. Auf der Internetseite findest du alle Lieder mit Noten und Text in einer Mitsing- oder einer eingesungenen Fassung.

9. Weihnachtsbaum

Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich ein Tännchen im Übertopf kaufe oder besagte Zimmerpflanze als Weihnachtsbaum herhalten wird.

Sollte es eine Tanne geben, besorge ich noch eine Lichterkette.
Hätten wir mehr Platz, würde ich wahrscheinlich ein gebrauchtes Plastikbäumchen kaufen. Das ist zwar nicht so romantisch, aber nachhaltiger, günstiger und einfacher.

Im Schrank wartet eine Schachtel mit Christbaumschmuck von meinen Großeltern schon seit Langem auf ihren Einsatz.

Minimalistische Weihnachten: Minimalistischer Weihnachtsbaumschmuck

11. Weihnachtsgottesdienst

Ich möchte meiner Tochter die religiöse Bedeutung von Weihnachten vermitteln. Das geht zwar auch ohne Weihrauch, Orgel und Pastor, ist aber nicht dasselbe. Wäre nicht 2020, würde ich mit ihr in den Kindergottesdienst gehen.

Die Stimmung in der Weihnachtsmesse hat mich als Kind stark beeindruckt. Ich finde es wichtig, dass meine Tochter zumindest die Möglichkeit hat, kirchliche Weihnachten kennenzulernen. Was sie dann daraus macht, überlasse ich ihr.

12. Weihnachtsessen

Mein Freund liebt Nudeln und Fleisch – mit einem veganen Weihnachtsbraten werde ich ihn kaum hinter dem Ofen hervorlocken. Ganz abgesehen davon, dass uns der Backofen nicht zur Verfügung steht. 🙃

Ich kaufe mir ein paar vegane Luxus-Bratwürste, dazu Süßkartoffeln und ich bin glücklich.

13. Weihnachtszeit ist Dankbarkeit-Zeit

Fest der Liebe, Familienfest – im Jahr 2020 gibt es viele Menschen, die an Weihnachten allein sind.

Ich möchte in der Weihnachtszeit dankbar sein für all die wunderbaren Menschen in meinem Leben, für meine Familie und meine Freunde.

Minimalistische Weihnachten ist nicht Verzicht und Entsagung, sondern vor allem Dankbarkeit für die Fülle, in der wir leben. Trotz Corona. Trotz Lockdown. Obwohl in diesem Jahr verdammt vieles nervig und anstrengend war.

Wofür bist du dankbar?

Bildquellen: © Unsplash: Manuel Will (Beitragsbild)

Feierst du minimalistische Weihnachten? Wie passen für dich Weihnachten und Minimalismus zusammen? Ich bin gespannt auf deinen Kommentar!

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