Verkauft! Ohne Kühlschrank leben, wie geht das?

Verkauft! Ohne Kühlschrank leben, wie geht das?

Der Kühlschrank brummt und rattert. Eigentlich ist er eh zu groß.

Wie wäre das, ohne Kühlschrank zu leben?

Ich habe meinen Kühlschrank verkauft und lebe trotz Sommerhitze seit vier Wochen ohne Kühlschrank und Eisfach. In diesem Beitrag teile ich meine Erfahrungen und zeige dir, was ich einkaufe und wie ich koche.
Außerdem erfährst du, ob ich mehr oder weniger Geld für Lebensmittel ausgebe, seitdem ich den Kühlschrank abgeschafft habe.

Auch als Folge 61 des Frugales-Glück-Podcasts!

1. Warum ohne Kühlschrank leben?

Warum sollte überhaupt jemand ohne Kühlschrank leben wollen?

Mein Kühlschrank ist nie besonders voll. Das mag damit zusammenhängen, dass ich mich vegan ernähre.

Viele pflanzliche Lebensmittel müssen nicht gekühlt werden. Linsen, Bohnen, Nudeln, Reis und Kartoffeln kommen ohne Kühlung aus. Und auch die meisten Obst- und Gemüsesorten fühlen sich wohler bei Zimmertemperatur.
Vegane Ersatzprodukte kaufe ich fast nie.

Die Dinge, die in meinem Kühlschrank am meisten Platz einnehmen, sind Sojamilch, Sojajoghurt und vorgekochtes Essen.

Im Juli wurde es in der Wohnung stetig wärmer, der Kühlschrank wurde immer lauter.

Ich fragte mich immer öfter: Wozu brauche ich dich eigentlich, Kühlgefrierkombination?

Außerdem hatte ich bei der Einrichtung meiner Wohnung einen zu großen Kühlschrank gekauft. Beim Haushaltsauflösungs-Lagerverkauf im Antwerpener Hafen war er noch der kleinste (und mit 140 Euro der günstigste).

Besonders störten mich die drei Tiefkühlschubladen. Jahrelang war ich mit einem Tiefkühlfach ausgekommen. Nun besaß ich einen ganzen Tiefkühlschrank, der meistens voll war.

Die Frage drängte sich auf:

Was brauche ich wirklich von den Lebensmitteln, die sich im Kühlschrank und im Eisschrank befinden?

Kein Kühlschrank I: Minimalistisch

Keinen Kühlschrank zu haben ist minimalistisch.

Die Wohnung ist warm, und man benutzt ein riesiges Gerät, um Lebensmittel kalt zu halten.

Anstatt einfach frische Dinge zu essen, die keine Kühlung brauchen.
Oder mit Raumtemperatur zufrieden zu sein. Der Geschmack soll dann eh besser sein.

Mit dem Kühlschrank verhält es ein wenig wie mit der Siebträgerkaffeemaschine oder der großen Leinwand mit Dolby Surround Sound:
Dafür gibt es Cafés und Kinos. Ich muss nicht alles als Eigentum haben.

Warum nicht auf den Kühlschrank des Supermarkts zurückgreifen und den Platz zuhause anders nutzen?

Außerdem geht es beim Kühlschrank nicht um das Gerät an sich, sondern um den Inhalt.
Lebensmittel nicht (oder in geringerer Menge) zu kaufen, die im Kühlschrank aufbewahrt werden müssen, ist wohl ziemlich minimalistisch.

In letzter Zeit habe ich viel Geld für Sojajoghurt ausgeben. Ein 500g-Becher kostet beim beim holländischen Discounter zwar nur 1,49 Euro, aber wenn ich bei jedem Einkauf drei Stück mitnehme (und einmal in der Woche nachkaufe), macht das 9 Euro in der Woche für Joghurt - etwas, das ich zusätzlich esse, als Beigabe zum Frühstück, als Snack oder als Nachtisch.

Kein Kühlschrank II: Nachhaltig

Jede gesparte Kilowattstunde ist gut für die Umwelt. Meine Kühlgefrierkombination verbraucht 170 Kilowattstunden (kwh) im Jahr.

Kann aber sein, dass ich ohne Kühlschrank insgesamt mehr Energie benötige, weil ich häufiger koche.

Andererseits wärme ich seltener Gerichte auf, sodass sich das womöglich ausgleicht.

Und wer weiß, wie viel der Kühlschrank wirklich verbraucht. Angesichts der letzten vier Wochen (durchgängig 28 Grad in der Wohnung) kommen mir 170 kwh im Jahr verdächtig wenig vor.

Kein Kühlschrank III: Frugal

Bei meinem Energieanbieter kostet eine Kilowattstunde Strom aktuell 23,24 Cent. Aufs Jahr gerechnet spare ich knapp 40 Euro, wenn ich den Kühlschrank abschaffe.

Hier bin ich ein bisschen enttäuscht, ich hatte mit einer größeren Einsparung gerechnet.

Allerdings sind Lebensmittel, die gekühlt werden müssen, in der Regel teurer als solche, die auch bei Raumtemperatur glücklich sind. Das gilt besonders für pflanzliche Lebensmittel:

Vegane Aufstriche, Würstchen, Joghurts, veganer Aufschnitt, Käse etc. sind nicht ganz günstig. Rote Linsen, Kichererbsen, Kidneybohnen hingegen schon. Auch texturiertes Soja kostet nicht die Welt.

Im Unverpacktladen des Vertrauens sind Hefeflocken günstiger als (veganer) Parmesan.

Exotisches und nicht saisonales Obst muss nicht nur im Kühlschrank frisch gehalten werden (Erdbeeren, Himbeeren, Trauben, Wassermelonen), sondern ist in der Regel auch teuerer als heimisches Obst.

Kein Kühlschrank IV: Gesund

Ohne Kühlschrank zu leben soll gesund sein?

Ich neige dazu, große Portionen vorzukochen und dann doch etwas anderes zu essen.
Das Linsencurry mit Lauch und Pastinaken sitzt im Kühlschrank, während ich mich mit Nüssen, Reiswaffeln, Sojajoghurt und Brot durch den Tag snacke.

Mir wäre es lieber, täglich frisch zu kochen, Gemüse, Hülsenfrüchte und Reis (oder so) und es zum Mittag- und Abendessen zu verzehren. „Richtige“ Mahlzeiten zu essen statt hier ein Häppchen, da ein Häppchen.

Meine Vermutung: Das geht leichter ohne Kühlschrank und Tiefkühlfach.
Ich kaufe Gemüse und koche es. Ich weiche Bohnen oder Linsen ein und koche sie. Es steht ein Gericht auf dem Herd, also muss ich es auch essen, wenn ich Hunger habe.

Im Idealfall führt die Abschaffung des Kühlschranks dazu, dass ich mehr Gemüse zu mir nehme und insgesamt frischer und gesünder esse.

Mit Kind ohne Kühlschrank?

Meine Tochter lebt im Wechselmodell, das heißt, sie ist drei Tage bei mir und drei Tage beim Papa.

Ich koche kein „Kinderessen“, M isst das, was ich auch esse.

Statt Fischstäbchen, Würstchen oder Chicken Nuggets bekommt sie einzelne Komponenten und nimmt sich, worauf sie Appetit hat. Das kann ein halbes Pfund Brokkoli sein, fünf Handvoll Edamamebohnen oder ein Schälchen Buchweizen mit Leinöl und Hefeflocken.

Für mich werfe ich die Zutaten einfach zu einem (scharfen) Curry oder Kitchari zusammen, wenn ich keine Lust auf Komponenten-Essen habe.

Mehr zum minimalistischen Essen mit Kindern erfährst du hier:

Für meine Tochter ist es also egal, ob ich täglich koche oder ob die Zutaten drei Tage im Kühlschrank lagern. Sie lernt höchstens, dass es schön und wichtig ist, frisch zu kochen und gemeinsam zu essen.

2. Ohne Kühlschrank leben: Meine Vorgeschichte

2014 war ich für ein halbes Jahr als Deutschlehrerin in Charkov. Im Studentenwohnheim (Einzelzimmer, immerhin) gab es keinen Kühlschrank.

Die Fensterbänke waren breit, Bierkühlen kein Problem. Bei den niedrigen Temperaturen (minus 15!) musste ich eher aufpassen, dass meine Salzgurken und der Möhrensalat koreanischer Art nicht einfrierten.

So gewöhnte ich mir ab, Kaffee mit Milch zu trinken. Erst tat ich noch Zucker rein, dann war er schwarz – und blieb es bis heute. Praktisch!

Das Leben ohne Kühlschrank setzte sich in Tomsk (minus 30!) und Woronesch fort. Insgesamt kam ich zweieinhalb Jahre ohne Kühlschrank (und ohne Waschmaschine, aber das ist ein anderes Thema) aus, bis ich dann in eine möblierte Wohnung zog.

Wie habe ich damals gekocht?
Vermutlich so ähnlich wie heute, mit viel Gemüse, Kartoffeln, Reis, Linsen. Ich ernährte mich noch nicht vegan, also gab es manchmal Eier und Joghurt, den ich am Tag des Kaufs direkt aufaß.

Es war alles ganz einfach.

3. Kein Kühlschrank? Meine Zweifel

Kühlschränke haben nicht nur Nachteile, auch Vorteile. Ich habe eine gewisse Einkaufs-Koch-Routine entwickelt, in der mein Kühlschrank eine wichtige Rolle spielt:

  • Ich koche größere Portionen und bewahre die Reste im Kühlschrank auf. So habe ich immer eine Mahlzeit parat, die ich nur noch aufwärmen muss.
  • Sojamilch und Sojajoghurt befinden sich immer in meinem Kühlschrank. Ungekühlt halten sie sich höchstens zwei Tage.
  • Auch Tofu ist Dauergast im Kühlschrank. Ich kaufe regelmäßig größere Mengen günstig im Asialaden.
  • Im Sommer esse ich gern frische, kalte Sachen (Obst, Rohkost, Joghurt…)
  • Vegane Mayonnaise, zuckerreduzierte Marmelade und pflanzliche Margarine müssen auch gekühlt werden.

Genauso wichtig ist das Tiefkühlfach:

  • Hülsenfrüchte koche ich auf Vorrat und friere sie portionsweise ein. Hier findest du eine detaillierte Anleitung.
  • Wenn ich Brot kaufe, kommen zwei Drittel direkt in den Tiefkühlschrank. So bleibt das Brot frisch (meistens isst nur meine Tochter davon) und wird nicht schlecht.
  • Eine Beerenmischung findet sich immer im Eisfach. Dr. Greger zufolge* gehören Beeren zu den Top 10 pflanzlicher Lebensmittel, daher esse ich sie beinah täglich.
  • Reife Bananen friere ich ein und mache daraus Nicecream. Meine Tochter liebt es!

Tiefkühlgemüse hat zwar in Öko-Bio-Hippie-Kreisen einen schlechten Ruf, ich finde es aber superpraktisch:

  • Tiefkühlgemüse ist gut portionierbar;
  • es verdirbt nicht, sodass keine Lebensmittel weggeworfen werden müssen;
  • es ist günstiger als frisches Gemüse (wo bekommt man ein Kilo frische Prinzessbohnen für einen Euro?);
  • Tiefkühlgemüse ist schneller zubereitet – kein Brokkoli- und Blumenkohl-Konfetti mehr;
  • es ist regional und saisonal.

Okay, es ist in einer Plastiktüte. Vermutlich ist diese aber weniger furchtbar als literweise Wasser beim Abwaschen von Spinat, Böhnchen und Lauch zu verbrauchen.

Beim Notieren meiner Zweifel fällt mir auf, dass mir vor allem das Tiefkühlen wichtig ist, weniger das Kühlen.
Durch die Strategie kaufen und einfrieren werfe ich so gut wie keine Lebensmittel weg und gebe automatisch weniger Geld für Essen aus.

Andererseits geht es wohl weniger um die Frage Braucht man einen Kühlschrank? sondern darum, welche Gewohnheiten man hat und ob man bereit ist, diese zu ändern.

Als ich noch mit dem Papa meiner Tochter in einem Zimmer wohnte, hatten wir zu dritt ein Mini-Tiefkühlfach, das nicht wahnsinnig gut funktioniert hat. Außerdem wollte ich ja eh keine drei TK-Schubladen…

4. Kühlschrank abschaffen: Das Selbstexperiment

Ab einer Woche Abwesenheit lohnt es sich, den Kühlschrank auszuschalten. Ich war drei Wochen nicht zuhause und stellte die Kühl-Gefrier-Kombi ab. Mit der Idee, das Ding nach meiner Rückkehr gar nicht erst wieder in Betrieb zu nehmen.

Seit dem 04. August lebe ich ohne Kühlschrank. Am 20. August habe ich den Kühlschrank verkauft. (Und dabei noch 60 Euro Gewinn gemacht.)

In meiner Wohnung waren durchgängig 26 (vormittags) bzw. 28 (tagsüber) Grad. Wenn ich bei der Wärme keinen Kühlschrank brauche, ist der Rest des Jahres kein Problem!

Was ist anders, seitdem ich ohne Kühlschrank lebe?

  • Ich kaufe mehr Gemüse und verwende mehr Sorten.
  • Ich koche täglich frisch.
  • Ich esse warmes Frühstück (Porridge).
  • Ich esse häufiger „richtige“ Mahlzeiten und snacke weniger.
  • Ich gebe weniger Geld für Lebensmittel aus. 50 Euro im Vergleich zu den Vormonaten!
  • Ich trinke lauwarmes Bier. Praktisch, denn früher habe ich mich gehetzt, vom Späti zur schönsten Parkbank der Stadt zu kommen. Damit das Bier kalt bleibt.
ohne Kühschrank leben - er war ja eh immer halbleer
Mein Kühlschrank zwischen Abschaltung und Verkauf

5. Im Sommer ohne Kühlschrank – Meine Tipps

Herbst, Frühling, Winter – kein Problem, schließlich kann die Fensterbank als Kühlschrank verwendet werden.

Aber im Sommer?

Hier ein paar Tipps, damit deine Lebensqualität fantastisch bleibt, auch ohne Kühlschrank:

  • Margarine hält sich wochenlang bei 23 Grad. Ja, auch die fettreduzierte aus dem Kühlregal.
  • Lebensmittel mit Zuckerzusatz werden ohne Kühlung nicht schlecht. Seitdem ich meinen Kühlschrank abgeschafft habe, kaufe ich Sojamilch mit Zuckerzusatz und Marmelade, die zur Hälfte aus Zucker besteht. Ketchup verdirbt auch nicht. Bei einem maßvollen Konsum finde ich das bisschen Zucker nicht tragisch.
  • Sojajoghurt kaufe ich, wenn ich Lust darauf habe. Er hält sich bis zu zwei Tage im Küchenschrank. Dasselbe gilt auch für Wassermelone und anderes aufgeschnittenes Obst. Und für Tofu.
  • Der Backofen ist ein guter Lagerplatz für Gemüse. In ein feuchtes Tuch gehüllt bleibt grünes Gemüse länger frisch.
Minimalistisch leben für Anfänger:innen Starter-Guide CTA

6. Fazit: Ohne Kühlschrank leben

Die Abschaffung meiner Kühl-Gefrier-Kombi hat mein Leben vereinfacht und meine Ernährung natürlicher gemacht. Zumindest fühlt es sich so an.

Ich kaufe drei Gemüsesorten. Ich koche 250 Gramm Buchweizen, Hirse oder Reis. Ich esse zwei Gemüsesorten, zwei Drittel des Getreides und rote Linsen (oder andere Hülsenfrüchte).

Am nächsten Tag sind noch eine Zucchini und ein Stück Blumenkohl übrig. Ich brate sie mit einer Zwiebel in der Pfanne an und esse sie mit dem Rest des Getreides.

Zum Frühstück gibt es gekochte Haferflocken mit verschiedenen Gewürzen und gedünstetem Apfel.

Abends oder am nächsten Tag gehe ich fünf Minuten über die Wiese zum Supermarkt um die Ecke und kaufe neues Gemüse.

Meine Tochter isst mehr Getreide und Gemüse und weniger Brot, seitdem der Kühlschrank weg ist.

Sojamilch ist zweimal schlecht geworden (ohne Zuckerzusatz).

Ich koche kleinere Portionen und kann besser einschätzen, wieviel ich kochen muss, sodass nicht viel übrig bleibt.

Und nicht zuletzt haben wir viel mehr Platz in der Küche!

Kannst du dir vorstellen, ohne Kühlschrank zu leben? Ich bin gespannt auf deinen Kommentar!

Marion

Marion

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1 Kommentar zu “Verkauft! Ohne Kühlschrank leben, wie geht das?

  1. Julia says:

    Hallo Marion,

    ich kann mir defintiv vorstellen ohne Kühlschrank zu leben, meine Familie (Kids sind 14 und 16) nicht. Auch bei meinem Mann kann ich mir vorstellen, dass er dem kritisch gegenüber steht.
    Ich kann die Vorteile total nachvollziehen. Aber auch die Nachteile, wenn kein Kühlschrank im Haus ist.
    Ich koche oft vor, für den kommenden Tag mittags, vermute aber, dass das essen auch so hält.
    Wäre mal einen Test wert zwei-drei Wochen ohne Kühlschrank zu leben. Ich glaube jedoch, bei 4 Personen müsste ich deutlich öfter einkaufen gehen als jetzt, ich gehe nur einmal die Woche.
    Liebe Grüße
    Julia

    Antworten

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