Weniger Geschenke für Kinder – Was du tun kannst, um Spielsachen zu reduzieren

Weniger Geschenke für Kinder sind schwer zu realisieren. Das Bild zeigt Geschenke unter dem Weihnachtsbaum. Die Fotografie stammt von Eugene Zhyvchik und wurde auf Unsplash.com im jpg-Format veröffentlicht.

Kinder lieben Geschenke. Und die Erwachsenen lieben es, Kinder zu beschenken. Schnell stapeln sich Spielzeuge, Kleidung, Bücher und Stofftiere bis an die Decke. Möchtest du dir und deinen Kindern zuliebe die Geschenkeflut eindämmen? Ich zeige dir neun Tipps und Tricks, damit es weniger Geschenke für Kinder gibt.

Was schenken sich Menschen zu Weihnachten, die alles haben?

Zeit für die anderen, Liebe, Aufmerksamkeit, Nachsicht?
Leider nein.

Stattdessen tauscht man Amazon-Links gegen Geschenke. Sucht nach Büchern, die man immer schon lesen wollte. Durchstöbert die Drogerie nach edel aussehenden Pflegeprodukten, am besten im Set.
Kauft der Oma für die Sammlung noch einen Porzellanengel, die hat sie doch so gern.
Einen neuen Schlafanzug kann der Gatte immer gebrauchen. Und wenn gar nichts passt, gibt es ja immer noch Gutscheine.

Der Umsatz des Weihnachtsgeschäfts für Deutschland im Jahr 2019 wird auf 102,4 Milliarden Euro geschätzt.
Hunderzweikommavier Milliarden!
Das ist das Doppelte des Bruttoinlandsprodukts von Bulgarien.

Sind Kinder dabei, muss man sich nicht einmal anstrengen, um ein Geschenk zu finden. Die Suche nach „Geschenk Kind 1 Jahr“ bei Google liefert 103.000.000 Ergebnisse.

Möchte man sich aus dem Geschenke-Wahn heraushalten, hat man es schwer – besonders wenn Kinder mit im Spiel sind. Jeder möchte etwas mitbringen. Je jünger das Kind, desto größer die Bereitschaft zu schenken.
Kleine Kinder haben noch nicht alles, umso leichter ist es, mit einem Klick irgendetwas zu bestellen oder aus der Fußgängerzone mitzunehmen.

Was kannst du tun, damit deine Kinder weniger Geschenke bekommen? Und wie gehst du am besten mit unliebsamen Geschenken um?

1. Kommunikation ist alles: Warum weniger Geschenke für Kinder?

Erzähle deiner Familie und deinen Freunden, dass du dieses Jahr auf materielle Geschenke verzichtest und es für dein Kind weniger Spielsachen geben wird.
Erkläre, warum.
Versetze dich in dein Gegenüber und wähle die Begründung, die er am besten nachvollziehen kann.

Hier ein paar Beispiele:

a) Konzentration auf das Wesentliche

Warum feiern wir Feste wie Weihnachten, Geburtstage, Ostern? Das Schenken und Beschenktwerden steht oft so sehr im Mittelpunkt, dass wir den eigentlichen Grund vergessen. Auch wenn die christlichen Feste nur kulturell und nicht religiös gefeiert werden, sollte das Beisammensein in der Familie an erster Stelle stehen.

b) Weniger Geschenke tun Kindern gut

Kinder sind von zu vielen Geschenken überwältigt und wissen nicht, womit sie spielen sollen. Dasselbe gilt für ein übervolles Kinderzimmer. Eine begrenzte Auswahl an Spielsachen fördert die Kreativität der Kleinen und hilft ihnen, sich auf eine Sache zu fokussieren.

c) Zeit statt Zeug

Gemeinsam verbrachte Zeit (Stichwort Quality Time) ist eines der schönsten Geschenke, die man einander machen kann. Waldspaziergänge, gemeinsames Kochen und Backen, Spielenachmittage an dunklen Dezembertagen – besonders die Vorweihnachtszeit eignet sich gut, um als Familie Zeit miteinander zu verbringen und sich auf das Fest zu freuen.

d) Nachhaltig leben

Im Jahr 2018 betrug der Umsatz der Spielwarenindustrie 7,4 Milliarden Euro, der Umsatz für Baby- und Kinderausstattung lag bei 7,3 Millarden Euro.
Auch wenn das verglichen mit den Umsätzen der Automobil- oder Bekleidungsindustrie geringe Beträge sind, verbrauchen Herstellung und Tranport von Spielzeugen und Kindersachen Ressourcen und setzen CO2 frei.
Mit dem Verzicht auf (neue) Spielwaren und Kinderkleidung kann jeder einen kleinen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

2. Weniger Geschenke? Andere Geschenke!

Niemand kommt gern mit leeren Händen zu einer Feier. Biete deshalb Familie und Freunden Alternativen zu Neukäufen an, um nachhaltigere oder weniger Geschenke zu bekommen.

Hier ein paar Ideen:

a) Essen und Trinken

Eine gute Flasche Wein für die Eltern, ein besonderer Saft, kindgerechte Süßigkeiten und Nussmus für die Kleinen…
Es gibt unzählige ess- und trinkbare Dinge, die sich zum Verschenken eignen.

Sei so präzis wie möglich: Sag nicht, dass du dir etwas Essbares wünschst, sondern nenne konkrete Lebensmittel, die du selber nicht kaufen würdest.

Seid ihr Veganer (oder probiert gern Neues aus), eignen sich vegane Feinkostwaren wie veganer Käse oder vegane Pralinen.

b) Selbstgemachtes

Die Oma ist passionierte Näherin und der Onkel liebt Handarbeiten? Wünsch dir für dein Kind ein Paar gestrickte Socken oder ein handgemachtes Kleidungsstück.
Ist dein Kind schon älter, ist es spannend, wenn es das Garn oder den Stoff selber aussuchen kann.

Unter Selbstgemachtes fallen natürlich auch Nahrungsmittel: Selbst gekochter Babybrei, Pesto, selbst gebackenes Brot, Muffins oder Kinderkekse, eingekochte Marmelade oder selbst gemachter Saft – von Hand hergestellte ess- und trinkbare Köstlichkeiten sind ein perfektes Mitbringsel.

c) Zeitgutschein

Zeit statt Zeug – biete Verwandten und Freunden an, Zeit zu verschenken, die sie mit deinem Kind verbringen. Das kann ein Tag auf dem Bauernhof oder Erlebnisspielplatz sein oder einfach ein Spiel- und Vorlesenachmittag bei ihnen zuhause.

Ein Zeitgutschein ist zugleich Geschenk für dich und dein Kind: Dein Kind verbringt eine schöne Zeit mit lieben Menschen und du hast einen kinderfreien Tag.

d) Geldgeschenk

Lassen sich deine Lieben nicht davon abbringen, „etwas Richtiges“ zu schenken, biete Ihnen Geld als Geschenk an. Sie können den Betrag direkt auf das Sparkonto des Kindes einzahlen oder mit Münzen und Scheinen etwas basteln. Unter Geldgeschenke für Kinder basteln gibt es im Internet zahlreiche Anleitungen für niedliche Bargeldgeschenke.

e) Gebrauchte Sachen

Gebrauchte Spielzeuge, Bücher und Kleidung zu verschenken ist ein Tabu in unserer Gesellschaft. Man will für den Nachwuchs nur das Beste – und das ist neu, nicht gebraucht.

Mache die Menschen in deinem Umfeld auf die Möglichkeiten aufmerksam, die das Internet bietet. Auf Verkaufsplattformen wie ebay Kleinanzeigen, Vinted und booklooker lässt sich so gut wie alles finden, oft in Originalverpackung oder in einem sehr guten Zustand.

Viele Menschen sind daran gewöhnt, alles neu zu kaufen und wissen nicht, wie einfach und günstig hochwertige Spielsachen, Kleidung und Bücher gebraucht gekauft werden können. Mache sie darauf aufmerksam und zeige ihnen, dass sie so gleichzeitig Geld sparen und der Umwelt etwas Gutes tun.

Wenn du nicht bei allen sofort Erfolg hast, verzweifle nicht. Freue dich über kleine Fortschritte. Jeder nicht gekaufte neue Gegenstand ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Die Geschenke zu reduzieren ist umso einfacher, je kleiner dein Kind ist. Ältere Kinder, die bereits daran gewöhnt sind, viel geschenkt zu bekommen, benötigen Zeit für die Umstellung. Auch hier hilft es, gezielt Rituale einzuführen, die an die Stelle von materiellen Geschenken treten.

Mehr Tipps für Minimalismus mit Kindern findest du auf Minimalismus-Tipps.

Bildquellen: © Unsplash: Eugene Zhyvchik (Geschenke unterm Weihnachtsbaum)

Wie viele Geschenken bekommen deine Kinder an Weihnachten? Welche Tricks hast du, damit deine Kinder weniger Spielsachen geschenkt bekommen ? Ich bin gespannt auf deinen Kommentar!

Kommentare

  1. Kleeblättchen says:

    Ich habe auch leider die Erfahrung gemacht, dass Sencondhand Produkte für Kindergeschenke von vornherein nicht in Frage kommen. „Zu Weihnachten kann es doch mal was Neues sein, Franzi!“ wenn dieser Satz kommt, dann achte ich bei meinem“ Wunsch“ (=oft beinahe Nötigung) darauf, dass es qualitativ hochwertige und kleine Dinge sind, welche ökologisch nachhaltig sind, und das auch in der Produktion. Dann bekommt die Oma eben ein Link für die 100€ teuren Dominbausteine! Wer unbedingt viel Geld für die Kleinen ausgeben will, soll das bitte SO machen 🙂

    Ich finde auch den Geschenkpapiermüll ganz furchtbar. Ich erinnere gern daran keine Verpackung zu benutzen oder Recyeltes Material zu nehmen, wie bunte Zeitungen. Oder die Geschenke in bunte Tücher einzuschlagen, welche dann wieder mitgenommen werden können 🙂

    Wer Süßes schenken MUSS wird auf teure exotische Trockenfrüchte verwiesen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich mit einem sehr hohen Geschenkpreis dann endlich das „Geschenkegefühl“ beim Schenker einstellt und dann tatsächlich nahezu kein weiteres Kleinfummelzeug noch „obendrauf“ aufs Geschenk kommt. Und wer es dann immer noch nicht verstanden hat, dass die Kleinkinder von 2 Jahren keine 5 verschiedenen Groß-Packungen diverser Monsanto-Süßigkeiten zu Weihnachten bekommen müssen, dem lasse ich mittlerweile die „Gifts“ einfach da. Das hat sich nachhaltig am wirksamsten erwiesen, denn der Groll sitzt dann so tief und schmerzt, dass von Aktionen dieser Art in Zukunft abgesehen wird – das ist aber echt nur für die ganz harten Fälle!

    Wir haben nun das 4.Jahr in Folge GAR KEINE Geschenke gemacht. Auch nicht den Kindern und denen der Verwandschaft. Und keines der Kinder aus dem Verwandtenkreis kam an einer Weihnachtszusammenkunft zu uns und hat uns fragend mit großen Dackelaugen angeschaut und betteln gefragt: „Hast du auch ein Geschenk für mich?????“
    Nein. Das Gegenteil war der Fall: die Kinder sind sich selbst genug und spielen wie jeden Tag lustvoll zusammen, wenn sie nicht von den Erwachsenen genervt werden, sich über kleine Mitbringsel zu freuen, die danach sofort in der Ecke liegen.
    Zu Heiligabend das gleiche:
    Die Kinder werden in ihrem Spiel beinahe gestört, durch diese merkwürdige Bescherung. Danach hat Felix gefragt, ob er jetzt wieder spielen gehen kann.. Es war für ihn scheinbar nicht das Highlight.
    Ob es das Highlight meiner Neffen und Nichten war, die danach überfordert im Schreikrampf ausgerastet sind, wage ich auch zu bezweifeln…

    Ich bin froh mir sagen zu können, dass ich dazu NICHT mit einem SUPERTOLLEN Geschenk beigetragen habe.

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    1. Marion says:

      Hallo Kleeblättchen,

      vielen Dank für deinen Kommentar und die vielen tollen Anregungen!
      Es tut gut zu wissen, nicht allein mit der Geschenk„problematik“ zu sein.😀

      Ich finde es besonders wichtig, schon kleine Kinder daran zu gewöhnen, dass man wunderbar auch ohne Geschenke feiern kann.
      Leider sieht das der Rest der Familie nicht so – sogar zu Nikolaus gibt es etwas. 🙈
      Spannend, dass dein Sohn die Bescherung als Unterbrechung beim Spielen auffasst und nicht als etwas, auf das man seit vier Wochen hinfiebert. So soll es sein!

      Herzliche Grüße
      Marion

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      1. Kleeblättchen says:

        Dass Felix so reagiert hat, hat glaube ich mehrere Gründe.
        1. Er wird (noch) nicht gefragt wird „WAS“ er sich wünscht. Mit dieser Frage kommt doch schon das Mangelgefühl.. nicht?

        2. Wenn ich merke, dass er wirklich ein Bedürfnis nach etwas hat, bekommt er es gleich und braucht da nicht zu fragen oder zu warten. Das sind keine großen Sachen.. Ein Ausmalbüchleich, Knete in einer bestimmten Farbe, ein paar Aufkleber..

        Ich erfülle ihm nicht jeden Wunsch – nicht falsch verstehen. Ich setze mich wirklich mit den Bedürfnissen meiner Kinder auseinander und unterscheide dann, was wirklich Gewicht hat. Und Gewicht haben meisten nicht die SUPERTOLLEN Autorennbahnen etc. Die machen zwar große Begeisterung, aber ein echtes Bedürfnis ist meiner Meinung nach an die naturgemäße Entwicklung des Kindes gebunden. Und wenn gerade die Feinmotorik dran ist, gibt’s was kleines Kniffliges und wenn Austoben dran ist, wird fix eine Schaukel unterm Hochbett gebastelt. Warum damit zum Geburtstag warten. Wahre Bedürfnisse werden sofort erfüllt.

        Felix hat übelst Power und ist im Innern jedoch extrem ruhig. Weil er befriedigt ist! Er ist im Frieden.

        Das ist mein Erklärungsversuch für seine Reaktion auf die Bescherung 😀 Aber wer weiß, wie es noch später bei ihm wird. Vielleicht wird auch alles ganz anders mit der Zeit. Bis jetzt jedoch, scheint mein Plan ganz gut aufzugehen 🙂

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        1. Marion says:

          Das ist ein sehr interessanter Punkt, dass durch die Frage nach dem Was ein Mangelgefühl im Befragten geweckt wird. Es impliziert ja, dass noch nicht alles da ist, dass man noch etwas „braucht“.

          Mit der sofortigen Bedürfnisbefriedigung halte ich es auch so. Natürlich braucht das mehr Zeit und Aufmerksamkeit, als einfach in den Laden zu gehen und etwas Lautes und Buntes zu kaufen.

          Wie schön du das beschreibst, im Inneren ruhig und nach außen eine Menge Energie! Das trifft auf meine Tochter auch zu.
          Wollen wir hoffen, dass es so bleibt. 😀

          Herzliche Grüße
          Marion

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  2. Babs says:

    Unser Sohn war letztes Jahr auch von der weihnachtlichen Bescherung eher gestört in seinem Spiel. Dieses Jahr (mit 4 Jahren) sah es (leider) schon anders aus. Wir schenken unseren Kindern fast gar nichts mehr. Zu Geburtstag, Weihnachten und Co versuche ich ein bisschen zu steuern, was es geschenkt wird. Klappt leider nicht bei allen. Nichts oder „nur“ Geld schenken finden einige unserer Verwandten blöd. Das Kind soll sich ja freuen. Wirklich blöd ist aber, dass die meisten ach so tollen Geschenke nach einer halben Stunde in der Ecke liegen und uninteressant sind.

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    1. Marion says:

      Hallo Babs,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Interessant, dass du auch die Erfahrung gemacht hast, dass kleine Kinder mit der weihnachtlichen Bescherung gar nicht viel anfangen können. Ich bin mal gespannt, wie es nächstes Jahr wird, dann ist meine Tochter 3…
      Das Steuern klappt bei uns auch noch nicht so, wie ich es gern hätte, aber ich arbeite daran. Manchmal verstecke ich Geschenke sofort nach dem Auspacken und gebe sie meiner Tochter erst nach ein paar Wochen, sodass sie nicht überfordert ist.
      Ich selber schenke ihr auch kaum noch etwas, das wäre einfach viel zu viel.

      Herzliche Grüße
      Marion

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