Ich liebe mein Zeug! 7 Tipps für Minimalismus mit nicht-minimalistischem Partner

Ich liebe mein Zeug! 7 Tipps für Minimalismus mit nicht-minimalistischem Partner

Die leeren Oberflächen, von denen du träumst, müllt er täglich wieder zu?
Du trennst dich mühsam von Kindheitserinnerungen, seine liebste Freizeitbeschäftigung sind Elektroneuheiten?
Du willst die Kreislaufwirtschaft, er ordert hobbymäßig beim großen A?

Wie du auch mit nicht-minimalistischem Partner minimalistisch leben kannst, erfährst du in diesem Artikel. Obendrauf gibt’s 7 Tipps, wie du seine Sachen gewinnbringend weiterverkaufst, ohne dass er es merkt.

1. Minimalismus mit nicht-minimalistischem Partner – die Schnellversion

1.1. Lass das Missionieren

Du bist du, er ist er – ihr seid unterschiedliche Personen mit unterschiedlichen Werten, Zielen und Ideen, und das ist auch gut so. Stell dir vor, du wärst mit dir selbst zusammen: Harmonie zum Einschlafen.

Man kann andere Menschen nicht ändern. Wenn du Glück hast, kannst du deinen Partner auf Gedanken bringen. Mit sehr viel Glück.

Daher bringt es nichts, ihn vom Minimalismus überzeugen zu wollen.
Es ist wie mit dem Veganismus: Durch Missionieren ist noch keine*r vegan geworden.
Was du stattdessen tun kannst:
Minimalistisch leben, glücklich und geduldig sein. Der Rest kommt (vielleicht) von selbst.

Ich liebe mein Zeug! 7 Tipps für Minimalismus mit nicht-minimalistischem Partner

1.2. Begeisterung steckt an

Missionieren ist sinnlos, Erklären nicht.
Sprich mit deinem Partner und erzähle ihm, was dich am Minimalismus und dem Leben mit weniger Zeug begeistert.
Was erhoffst du dir davon, welche Ziele verbindest du damit?

Gut möglich, dass dein noch nicht-minimalistischer Partner von deiner Begeisterung angesteckt wird und zaghaft mit dem Ausmisten beginnt.

1.3. Kommentieren nervt

Die Versuchung ist groß, (gut gemeinte) Rat- und Vorschläge anzubringen. Was kann weg, was wird nicht benutzt, wofür bekommt man noch 20 Euro… Das ist leider nichts anderes als schlecht getarnter Missionarismus, den dein Partner sofort durchschauen wird.

Halte dich deswegen zurück und kommentiere den Besitz deines Partners nicht. Weder den vorhandenen noch den potentiellen (bei Kaufabsichten des Göttergatten oder -freundes).

Wenn du jemanden brauchst, um dich über den Besitz anderer Leute zu beschweren, schreib mir über WhatsApp: +32 0493 077 557. Ich liebe Minimalismus-Lästern und habe darin auch schon einige Erfahrungen gesammelt. 😋

2. Trotz Partner minimalistisch leben: Deine Fragen und meine Antworten

2.1. Wie kann ich gemeinsamen Besitz ausmisten?

Das weiche Wasser höhlt den Stein, schön und gut.
Was aber, wenn eure Wohnung an Kram überquillt und du beginnst, darunter zu leiden? Ein Kaufstopp ist bei deinem Partner nicht in Sicht?

Vielleicht hast du Minimalismus erst vor Kurzem für dich entdeckt und würdest gern alles so richtig ausmisten, aussortieren und neu organisieren, aber dein Partner ist dagegen?

Wenn es um gemeinsam genutzte Bereiche und Gegenstände geht, hast du zwei Möglichkeiten:

a) Du handelst mit deinem nicht-minimalistischen Partner aus, wie ihr es haben wollt.
b) Der- oder diejenige, der oder die den Großteil der Hausarbeit übernimmt, entscheidet über die Gestaltung von Küche, Bad und Wohnzimmer.

Was meine ich mit entscheiden?

Ein Beispiel: Du arbeitest halbtags, er Vollzeit. Du kümmerst dich um Kind und Haushalt. Ist die Spülmaschine schon wieder voll, ist das dein Problem. Liegt der Staub fingerdick auf den Regalen im Wohnzimmer, voilà! Waschbecken und Dusche stehen schon seit Wochen auf der Putz-mich-Liste. Du versuchst zu vergessen, dass es einen Küchenschrank mit Tupperdosen gibt.

Es stört dich, ihm ist es egal.
Du hast täglich damit zu tun, er bemerkt es nicht.

Sei egoistisch und gestalte diese Räume so, wie es dir guttut.
Dein Zuhause soll eine Kraftquelle sein und nichts, was dir Energie raubt.

Selbst, wenn du hier nicht radikal ausmisten kannst (und willst), ist es doch möglich, Dinge, die du nicht brauchst, auszumisten und für mehr Übersicht und Klarheit zu sorgen.

Erst Minimalismus, dann Ordnung!

Ich bin zwar grundsätzlich für das Prinzip Minimalism first, aber in der Partnerschaft mit Nicht-Minimalisten wirkt es bereits Wunder, moderat auszumisten und einfache Ordnungssysteme zu etablieren.

Was sind einfache Ordnungssysteme?

In Anlehnung an die oben genannten Beispiele kann das bedeuten:

  • Du reduzierst die Menge an Geschirr auf ein Minimum. Für eine dreiköpfige Familie mit Spülmaschine ist ein acht- oder zehnteiliges Service (flache und tiefe Teller, Kuchenteller, Schälchen, Gläser, Tassen) ausreichend. Auch überzähliges Besteck, Messer, Küchenhelfer, Töpfe und Pfannen sortierst du aus.
  • Auf Regalen und Schränken herumliegende Dekorations- und Gebrauchsgegenstände verstaust du in Schubladen. Ein besonderes Teil kann ausgestellt werden, aber nicht zwanzig.
  • Zahnbürsten, Zahnpasta, Haarbürsten und Pflegeartikel verschwinden von Waschbecken und Ablage. Shampoo-, Conditioner- und Duschgelflaschen ziehen vom Duschboden in ein Aufhängkörbchen um. Was nicht ins Körbchen passt, wartet im Badezimmerschrank auf seinen nächsten Einsatz.
  • Eine Handvoll Tupperdosen darf bleiben, der Rest wandert in den Gratis-Karton an die Straße oder ins Sozialkaufhaus. Sorge, zu wenig übrig zu behalten? Das nächste Marmeladen- oder Nussmusglas kommt bestimmt!

So profitierst du:

  • Die Spülmaschine ist durchgelaufen, das Zurückräumen von Geschirr und Besteck dauert nur fünf Minuten. In der Spüle stapelt sich nicht schon die nächste Ladung.
  • Du wischst den Staub im Wohnzimmer schneller weg, als der Wasserkocher einen halben Liter Wasser für deinen Detoxtee gekocht hat.
  • Essigwasser auf Waschbecken, Dusche und Armaturen gesprüht, nachgewischt, schon glänzt das Badezimmer wie eine Disney-Prinzessin.
  • Du hast endlich wieder Spaß an Tupperdosen (und am Vorkochen)!

Das Tolle:
Dein Alltag wird viel einfacher, aber dein Partner merkt vieles gar nicht. Er muss nichts ausmisten und auf nichts verzichten.

Wie könnt ihr nun den gemeinsamen Raum so gestalten, dass er sowohl Minimalist:innen als auch Nicht-Minimalist:innen gefällt?

2.2. Wie kann ich meinen Traum vom Extrem-Minimalismus umsetzen?

Du träumst davon, auf dem Boden zu schlafen, deine Socken unter der Dusche zu waschen und alles aus einer Schale zu essen?

Teilt dein Partner diesen Traum nicht, bleibt wohl nur noch die Option, diesen ebenfalls wegzuminimalisieren.

Wenn eure Vorstellungen von Ästhetik und Komfort zu unterschiedlich sind, richtet getrennte Bereiche in der gemeinsamen Wohnung ein.
Er bekommt seinen Chaosraum, du bekommst dein minimalistisches Träumchenzimmer.

Kein Platz?
Dann könnt ihr es mit Zimmerecken probieren, so hatten Ms Papa und ich es gemacht. Er hatte einen Teil unseres Zimmers mit großem Schreibtisch, Kommode und Schränkchen zur Rummel-Verfügung, ich hatte den Rest nach meinen Vorstellungen gestaltet. Anschauen kannst du das hier.

2.3. Was ist, wenn mein Partner immer mehr Sachen kauft und sich weigert, auszumisten?

Der beste Ratschlag, den ich diesbezüglich auf Lager habe, nennt sich Die Box ist schuld.

Gefunden habe ich das Konzept bei The Minimal Mom, sie erläutert es sehr anschaulich in ihrem Video Make the Boundaries the Bad Guy! (Favorite Decluttering Tip):

Die Box ist schuld funktioniert so:

Du ordnest artgleiche Gegenstände je unterschiedlichen Boxen, Kartons, Kästen oder Schubfächern zu. Ist das Behältnis voll, muss erst etwas aussortiert werden, bevor etwas Neues dazukommen kann.

Das funktioniert besonders gut mit gemeinsam genutzten Dingen, aber auch für Spielsachen und Kinderkleidung ist die Box-Methode hervorragend geeignet.

Das Tolle daran: Du brauchst nichts zu erklären oder auszudiskutieren. Die Box hat mehr Macht, als du glaubst.

3. Partnerschaft mit Nicht-Minimalisten: Meine Erfahrungen

Ich bin in meiner vorletzten Partnerschaft Minimalistin geworden.
Das war für meinen damaligen Freund nicht leicht, besonders, als ich begann, seine Geschenke auszumisten (Bücher, Kleider, Schuhe, Schallplatten…).

Da wir allerdings nicht zusammen wohnten, war das Zusammenleben kein Problem für unsere Beziehung.
Meine Wohnung war fast leer, seine nicht, so what 🙂

Mit meinem letzten Freund habe ich gemeinsam in einem Zimmer gewohnt.
Er hat zwar nicht viele Sachen, ist aber kein Minimalist.
Es gab immer wieder Phasen, in denen er neue Sachen gekauft hat, vor allem elektronische: verschiedene Sorten Kopfhörer und Dinge für seine Foto- und Videoausstattung (dafür kann man seeeehr viel kaufen).

Bis zuletzt war genug Platz in unserem Zimmer, aber mir war immer wichtig, dass alles, was er kauft, in seinen Bereich passt: Regal über dem Schreibtisch, Kommode und kleines Malm-Regal.

Da gab es schon manchmal Reibereien. Ich habe am liebsten so wenig wie möglich um mich herum und liebe freie Oberflächen, er findet es gemütlich, wenn überall etwas herumliegt und mag sich nicht einschränken
Wir verhandelten immer wieder neu, wie wir unser Zimmer gestaltetn, damit es für beide passte.

Als aufmerksame Leserin weißt du, dass wir eine gemeinsame Tochter haben.
Wie funktioniert es mit nicht-minimalistischem Partner und Kind?

Solange wir noch zusammen waren, kümmerte ich mich um ihre Kleidung, Bücher und Spielsachen.
Ich sortierte alles und kaufte nach, wenn etwas Neues her musste.
Für mich und meine Tochter kaufe ich ausschließlich gebrauchte Sachen.

Als M zwei Jahre alt war, ist ihr Papa mit ihr zu H&M gegangen. Die beiden haben gemeinsam ein Frühlingsoutfit ausgesucht: Jeans, Pullover, Jacke.
Mir haben die Farben und die Qualität nicht gefallen (Farben für den hellen Sommertyp, unsere Tochter ist warmer Herbsttyp, der Pullover war nach dreimal Waschen pillig), fand die Aktion an sich aber süß. Mein Papa ist nie mit mir shoppen gegangen als ich klein war.

Auch Spielsachen hat mein Freund nicht gekauft, solange wir noch zusammen waren, bisher gehen drei Stofftiere auf ihn zurück: Ratte Carolin (im Stofftierhimmel), Igel Oskar und Piep-piep Elisabeth.

Das wird sich in Zukunft wohl ändern, wenn die Kleine abwechselnd bei uns beiden wohnt.

Es war nicht mein Freund, den ich beim Kauf von Kindersachen bremsen musste, sondern seine Mutter, die gern online bestellt und schon so manches Mal Dinge geordert hat, auf die ich lieber verzichtet hätte.

Aber es waren auch tolle Sachen dabei, und mittlerweile nimmt sie auch Rücksicht auf meine minimalistische Einstellung und fragt mich häufiger, ob sie etwas bestellen soll oder nicht.

Aber Minimalismus mit Kindern und nicht-minimalistischen Großeltern, Verwandten und Bekannten ist wohl noch einmal ein ganz eigenes Thema. 🙂

4. Fazit: Minimalistisch leben mit Partner

Wie kann es gelingen, Minimalismus mit einem nicht-minimalistischen Partner zu leben?

  1. Versuche nicht, deinen Partner zu überreden oder zu missionieren. Kritisiere ihn nicht wegen seines Besitzes oder Kaufverhaltens.
  2. Sorgt für getrennte Bereiche ein eurer Wohnung, in denen jeder sein Ding machen kann.
  3. Führt Regeln für gemeinsame Wohnbereiche ein.
  4. Übernimm die Herrschaft über Bereiche, in denen du für Sauberkeit und Ordnung verantwortlich bist.
  5. Stecke mit deiner Begeisterung für den minimalistischen Lebensstil deinen Partner an.

5. Minimalismus in der Partnerschaft: Lesetipps

Möchtest du mehr über Minimalismus mit nicht-minimalistischem Partner lesen?

Lebst du mit einem nicht-minimalistischen Partner zusammen? Was sind eure größten Herausforderungen? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Kommentare

  1. Moni | minime.life says:

    Hey, vielen lieben Dank, dass du meinen Artikel erwähnt hast. Das freut mich sehr! Mein Mann und ich haben übrigens mittelerweile einen tollen Kompromiss gefunden. Er steht total auf American Football und sammelt so ziemlich alles, was er über die Miami Dolphins in die Finger bekommen. Ich habe ein Zimmer in unserer Wohnung für ihn und sein Hobby geopfert. Das ist jetzt alleine seins und da kann er schalten und walten wie er möchte. Und es notfalls auch zustopfen wie er möchte. Er hat einen Ort, an dem er sich ausleben kann und in der Wohnung liegt nichts von seinem Zeug rum. Ein Win-Win für uns beide 🙂 Liebe Grüße Moni

    Antworten
    1. Marion says:

      Liebe Moni,

      sehr gern, vielen Dank für deinen tollen Artikel!

      Vor Football- und Baseball-Fans hatte ich schon immer Angst. 😀
      Scherz beiseite, klingt super, eure Lösung!
      Meine Freunde waren immer sehr an Küchenartikeln interessiert, der eine an schönem Geschirr und Besteck, der andere an Klein- und Kleinstmaschinen. Da muss man dann über die Gestaltung des gemeinsamen Raums verhandeln, was nicht gerade einfach ist.

      Liebe Grüße
      Marion

      Antworten

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