Mit Online-Shopping aufhören

Warum Online-Shopping doof ist und wie du damit aufhörst

Online-Shopping ist irre praktisch. Anstatt dich am Samstagnachmittag durch wilde Horden zu schieben, kannst du bequem vom Sofa aus neue Schlüpfer in Größe 134 ordern.

Mit nur einem Klick kannst du die ganze Welt kaufen.
Und die Welt wird auch noch an deine Haustür geliefert.

Wenn das nicht mega ist!

Aber Online-Shopping hat auch Nachteile. Nicht nur für die Umwelt und Menschen am Ende der Produktionskette, sondern auch für dich auf deinem Sofa am Dienstagabend um 22 Uhr.

Warum Online-Shopping doof ist, von welcher Alternative ich träume und wie du mit Online-Shopping aufhörst, erfährst du in diesem Beitrag.

1. Ist Online-Shopping wirklich nur doof?

Wie die meisten Dinge auf dieser Welt* ist Online-Shopping nicht nur doof. Es gibt auch positive Aspekte:

  • Es ist praktisch, du kannst bequem von zuhause aus kaufen.
  • Es geht schnell, wenn du weißt, was du kaufen möchtest. Alle drei Monate kaufe ich beim großen A Rasierer für meinen Mann, Kürbiskerne und Sonnenblumenkerne. Komische Kombi, ich weiß.
  • Du kommst leicht an gebrauchte Kleidung, Haushaltsgegenstände usw. ran, die neu sehr viel mehr Geld kosten würden.

Alles gut und schön, die Nachteile wiegen schwerer, finde ich.

2. Fünf Nachteile von Online-Shopping

Wie gesagt, ich beschränke mich in dieser Auflistung auf die Nachteile, die Online-Shopping für dich als Konsument hat.

Die Auswirkungen auf das Klima und die Folgen der globalen Arbeitsteilung lassen wir mal beiseite.

1. Du kaufst mehr, als du brauchst

Alles ist so billig und mit einem Klick verfügbar, dass es ganz schön schwerfällt, zwischendurch mal den Verstand einzuschalten und sich zu fragen: Brauche ich das wirklich? (BRAUCHE ich das? Brauche ICH das? Brauche ich DAS?)

Dazu kommen die dämlichen „Nur noch 4,74 Euro, dann bekommst du kostenlosen Versand“-Tricks. Also legst du eben noch schnell etwas in den Warenkorb, das du eigentlich gar nicht brauchst.

Das Ergebnis: Du hast nicht nur mehr Zeug zu Hause herumliegen, das du womöglich gar nicht brauchst. Du hast dafür auch noch mehr Geld ausgegeben.

Denn selbst ein T-Shirt für fünf Euro bedeutet: Du hast fünf Euro ausgegeben. Du hast keine fünf Euro gespart.

Geld ausgeben bedeutet nie, dass du etwas sparst.

Das klingt eigentlich ziemlich logisch. Und trotzdem reden wir uns beim Shoppen erstaunlich gerne das Gegenteil ein.

Die paar Male, die wir schon ein Haus kaufen wollten, habe ich mich in den Tagen danach immer wieder gefreut und meinem Mann erzählt, wie viele Hunderttausend Euro wir dieses Mal wieder gespart haben.

Mehr über unsere Hauskauf-Versuche kannst du hier nachlesen:

2. Du nutzt Online-Shopping als Kompensation

Du bist gelangweilt. Du fühlst dich leer. Oder du brauchst einfach mal einen kleinen Dopamin-Kick.

Also öffnest du einen Online-Shop und fängst an zu stöbern.

Dazu später mehr.

3. Mehr Marketingtricks als im stationären Handel

Auch im Kaufhaus wird natürlich mit allen möglichen Tricks gearbeitet: Rabattcoupons, „Nimm 2, zahl 1“, Musik, Gerüche, Sonderangebote…

Aber beim Online-Shopping kann das alles noch viel gezielter und aggressiver eingesetzt werden. Denn das Internet hat Daten über dich: Was du dir ansiehst, wonach du suchst, was du kaufst und wofür du dich interessierst.

Diese Informationen können gezielt eingesetzt werden, um dir genau die Produkte und Angebote zu zeigen, bei denen die Wahrscheinlichkeit besonders groß ist, dass du zugreifst.

Wenn du wissen willst, wie du den Konsumfallen ein Schnippchen schlägst, hör in diese Folge rein: Konsumfallen erkennen: So entgehst du den 4 fiesesten Konsumtricks

4. Du kaufst Dinge, die weniger schön und hochwertig sind

Vieles, das auf Bildern toll aussieht, ist in Wirklichkeit Schrott. Und weil du Sachen online weder anfassen noch anprobieren kannst, kaufst du beim Online-Shopping oft Dinge, die nicht so schön und hochwertig sind, wie du es gerne hättest.

Das Ergebnis: Du musst es zurückschicken (und das bringt uns zu Punkt 5) oder du vergisst, es zurückzuschicken und es liegt bei dir zuhause rum (womit es zu einer Ausmist-Blockade wird).

5. Es dauert viel zu lange

Ich wollte Steckdosenschutz kaufen.

Unser Baby ist schon sehr mobil und fummelt an allem rum. Also mussten ein paar Sicherheits-Gimmicks her: Steckdosenschutz und Sicherungen für Schubladen und Schränke, vor allem in der Küche.

Und ich dachte: Das kann ich doch gebraucht kaufen. Also habe ich bei Vinted geschaut.

Wusstest du, dass es in Europa verschiedene Steckdosentypen gibt? Ich war als Kind mal in Spanien und fand diese fremden Steckdosen total faszinierend. Aber wer hätte gedacht, dass es das immer noch gibt?

Es gibt zum Beispiel Typ F, der fast überall in Europa verbreitet ist, und Typ E, unter anderem in Belgien, Frankreich und Polen. Bei Typ E gibt es oben in der Steckdose so einen Erdungsstift, sodass der Stecker nur auf eine Weise reingesteckt werden kann.

Versuch mal, hierfür bei Vinted Steckdosenschutz zu finden.

Ich habe Fotos von den Artikeln gemacht und sie in die Google-Bildersuche gegeben, um herauszufinden, welches der zehn verschiedenen Modelle zu unseren belgischen Steckdosen passt.

Eine kostbare Stunde ging dafür drauf, bis ich das richtige Modell gefunden hatte.

Und auch gebraucht kaufen kann online so eine Sache sein.

Der Mann sagt: Das Baby braucht ein Töpfchen! Also schaue ich nach Töpfchen.

Es gibt so ein fancy Wal-Töpfchen. Warum nicht ein hübsches Töpfchen kaufen?

Neu kostet es 38 Euro, gebraucht habe ich eins für 8,50 Euro gefunden. In sehr gutem Zustand – bei Töpfchen ja nicht schlecht. 😉

Versand: 4 Euro irgendwas.

Tja, das lohnt sich nicht wirklich.

Mal sehen, was der Verkäufer noch so verkauft. Das Baby braucht noch Bodys oder die große Tochter einen Winterpullover, meine Handschuhe habe ich verloren…

Nee, nichts Gescheites dabei. Vielleicht der andere, der das Wal-Klo für 9,50 Euro verkauft?

Und so habe ich das Angebot von drei Wal-Klo-Verkäufern durchstöbert, um nichts Nützliches zu finden, was ich noch dazukaufen könnte, um Versand zu „sparen“.

Also lasse ich es erstmal sein und warte. Vielleicht finde ich ja noch einen Wal-Händler, der etwas verkauft, das ich außerdem noch brauchen könnte. 🙃🙃🙃

*Es gibt etwas, das ist immer schwarz-weiß, ohne Grautöne:

Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

Matthäus 6,24

3. Weniger Auswahl, gezielter kaufen

Ich wünsche mir die Zeit zurück, in der man nicht Drillionen Varianten von allem zur Auswahl hatte.

Du brauchst eine neue Tasse? Dann gehst du in den Porzellanladen und kaufst eine Tasse. Deine Unterhosen sind nach sieben Jahren durch? Dann gehst du in den Wäscheladen und kaufst neue. Fertig.

Natürlich ist das unrealistisch. Ändert nix dran, dass das Prinzip auch heute noch guttun würde: Man braucht was, geht gezielt los und kauft genau das.

Tassen aus dem Porzellanladen sind teurer als von Ikea. Unterhosen aus dem Wäscheladen kosten mehr als bei Primark. Aber dafür ist die Qualität höher, sie sind vielleicht in Europa gefertigt und halten länger.

Das ist für mich Minimalismus: wenige, gute Dinge kaufen, die lange halten, und sie dann lange benutzen, sich an ihnen erfreuen und nichts Neues brauchen.

In einem Haushaltswarengeschäft in Antwerpen hätte ich vermutlich einen Steckdosenschutz bekommen, der zu den hiesigen Steckdosen passt. Und damit wäre die Sache erledigt gewesen.

Stattdessen habe ich online „stopcontacten beschermer“ eingegeben und bekam 336 Ergebnisse.

336!

Und plötzlich musste ich mich entscheiden: Welches Modell? Welche Form? Welche Befestigung? Welche Bewertungen? Passt es zu unseren Steckdosen? Ist das andere vielleicht besser?

Natürlich kannst du auch in einem Kaufhaus oder einem kleinen Fachgeschäft hemmungslos konsumieren. Auch dort kannst du Dinge kaufen, die du nicht brauchst.

Aber vermutlich macht es nicht so viel Spaß.🤷‍♀️

4. Wie schaffst du es, mit Online-Shopping aufzuhören?

An der globalisierten Wirtschaft und daran, dass es keine italienischen Wäscheläden in der Dortmunder Innenstadt gibt, kannst du erstmal nichts ändern.

Aber deine Einstellung zum Online-Shopping und dein Verhalten kannst du unmittelbar beeinflussen:

1. Ausmisten: Werde alles Überflüssige los!

Das klingt erstmal paradox: Je weniger Dinge du hast, desto mehr weißt du, was du besitzt und bist auch umso vorsichtiger damit, neue Dinge ins Haus zu holen.

Mehr dazu kannst du hier erfahren: Das Minimalismus-Paradox

2. Schreib es auf, bevor du es kaufst!

Ich predige es immer wieder: Wenn du etwas kaufen möchtest, schreib es erstmal auf.

Notiere dir deine Wünsche und Kaufabsichten und warte mindestens eine Woche.

Gerade bei Kindern kannst du wunderbar beobachten, wie gut das funktioniert. Erwachsene sind da nicht anders.

Meine Tochter wollte zum Beispiel einmal im Kringwinkel ein riesiges Stofftier haben. Natürlich war es ganz dringend und natürlich musste es unbedingt mit. Unter Tränen ließen wir es im Laden.

Ein paar Stunden später ward es vergessen und ward nicht mehr erwähnt.

3. Digitaler Detox

Weg mit dem Handy, weg mit den Newslettern und weg mit den Shopping-Seiten und -Apps!

Logg dich überall aus und mach es dir schwerer, „nur mal zu kucken“.

Denn dieses „Ich kucke nur mal“ ist beim Online-Shopping oft der Anfang vom Ende.

Du hast gerade fünf Minuten Pause? Dann geh nicht auf Vinted, Amazon oder sonst irgendeine Shopping-Seite, nur um ein bisschen herumzustöbern.

Wenn dir langweilig ist, räum lieber eine Schublade auf oder miste deinen Kleiderschrank aus.

Das hat gleich zwei Vorteile: Du kaufst nichts und wirst gleichzeitig Dinge los. 😉

Zu digitalem Detox findest du einige Artikel und Podcastfolgen auf Frugales Glück:

4. Hinschauen

Wenn alles nichts bringt oder du ahnst, dass dein Problem tiefer liegt:

Ist das Schauen nach Schnäppchen und einzigartigen Funden zu einer fast zwanghaften Gewohnheit geworden, ohne die du glaubst, nicht mehr zu können?

Ich habe das während des Studiums in einer einsamen und schwierigen Phase stundenlang gemacht. 2009, als Vinted noch Kleiderkreisel hieß, erinnert sich jemand? 😃

Nach dem Mittagessen, bestehend aus 1 Kilo Möhren und Brechbohnen und 0,1-%-Fett-Naturjoghurt, saß ich ein, zwei, drei Stunden am Handy und jagte tolle Teile.

Obwohl ich eigentlich eine Pause brauchte.

Oder etwas fürs Studium machen musste.

Oder einsam war.

Oder alles zusammen.

Schau hin: Welche Leere oder welchen Schmerz deckst du damit zu?

Du verschwendest so viel Energie mit diesem Verhalten.

Es kann dir ja doch keinen Frieden geben. Es ist ja doch nur eine Ablenkung.

Beim Schreiben dieses Textes habe ich mich gefragt, was mir damals geholfen hätte.

Jemand, bei dem ich den Druck abladen kann. Bei dem ich auftanken, Energie schöpfen kann.

Und zwar wirklich, in echt und zuverlässig für immer. Nicht nur für die Zeit, in der ich am Handy hänge und nach schönen Vintage-Sachen suche.

Denn Druck hatte ich ständig.

Was mein Gewicht und mein Essverhalten anging: nur nicht zu viel essen! Aber gleichzeitig wollte und musste ich ständig essen, um mich zu beruhigen, um mir etwas Gutes zu tun.

Was mein Studium anging.

Und ganz unbewusst auch, was mein weiteres Leben, meine Zukunft, anging.

Die Beziehung war nicht gut. Wohin nach dem Studium?

Ich habe den ersten Teil der Folge im März aufgenommen. Da war meine Antwort noch diplomatisch:

Therapie kann helfen.

Oder Coaching.

Oder, wenn du gläubig bist, ein Gespräch mit einem Pastor oder Ältesten.

Jetzt bin ich nicht mehr so diplomatisch und sage dir:

Therapie und Coaching können dir bei vielem helfen. Aber sie können deiner Seele nicht den echten Frieden und die echte Ruhe geben, die nur Jesus geben kann.

Jesus sagt zu der Samariterin, die zum Brunnen kommt, um Wasser zu schöpfen:

Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zu einer Quelle werden, deren Wasser ins ewige Leben fließt.

Johannes 4,13–14

Und an einer anderen Stelle sagt er:

Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.

Matthäus 11,28–30

Ich kann dir aus meiner Erfahrung sagen: Es gibt nichts auf der Welt und in der Welt, das dir diesen Frieden schenken kann.

Das kann nur Gott.

Aber vielleicht leidest du gar nicht so sehr unter dem Thema und es reicht, ein paar Newsletter abzubestellen und einen Social-Media-Detox zu machen.

Wie gehst du mit Online-Shopping um? Hast du schon einmal versucht, ganz damit aufzuhören? Was hilft dir dabei, es in vernünftigen Grenzen zu halten? Ich bin gespannt auf deinen Kommentar!

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