Intuitiv essen ohne zuzunehmen • Teil 1: Bedingungslose Erlaubnis zum Essen

Intuitiv essen zunehmen • Teil 1: Bedingungslose Erlaubnis zum Essen

Intuitiv essen ohne zuzunehmen, ist das möglich?
Intuitiv essen ist eine wunderbare Methode, um ein gelassenes Verhältnis zum Essen (wieder) zu finden und Frieden mit dem Essen zu schließen.
Ob du bei deinem Weg zum intuitiven Essen eine Gewichtszunahme in Kauf nehmen musst und wie du mit intuitivem Essen langfristig sogar abnehmen kannst, erfährst du in dieser Artikelreihe.

1. Tabu Abnehmen

Abnehmen ist für viele Vertreter*innen intuitiven Essens (jenseits der großen Programme) ein rotes Tuch.

Denn:

Mit intuitivem Essen schaffst du es, ein entspanntes Verhältnis zum Essen wiederzufinden.
Steht Abnehmen oder Nicht-Zunehmen dabei im Fokus, kann das nicht funktionieren: Du isst nicht intuitiv, sondern hältst dich, bewusst oder unbewusst, an Diätregeln und teilst Lebensmittel in gut und schlecht ein.

Trotzdem möchten die meisten Menschen nicht zunehmen.

Und das ist okay.

Es ist völlig legitim, schlank sein zu wollen.
Das entscheidet jeder für sich.
Auch das ist Fat Acceptance: Jedem zuzugestehen, dass er mit seinem Körper machen kann, was er möchte.
Niemand soll sich dafür rechtfertigen müssen, nicht zunehmen zu wollen.

2. Gewichtszunahme und gestörtes Essverhalten

Du kennst vielleicht die verheißungsvollen Geschichten rund um intuitives Essen:

Ich habe mir nichts mehr verboten und nicht mehr auf das geachtet, was ich esse – und schwupps! hatte ich in einem halben Jahr 10 Kilo abgenommen!

Äh, ja.

Bei mir lief das ein bisschen anders ab.

Ich verbannte die Waage und erlaubte mir alle Lebensmittel.
Monatelang aß ich chaotisch und ohne Struktur.
Das Ergebnis: Eine Zunahme von 5 bis 10 Kilogramm.
5-10 kg? Ja genau, es ist mir nicht einmal, sondern mindestens dreimal passiert.

Ging es mir damit gut? War ich erleichtert, dass ich endlich alles essen kann, was ich wollte?

Ganz im Gegenteil. Ich konnte und wollte die Zunahme nicht akzeptieren, weil ich mich einfach nicht wohlgefühlt habe:

  • Mein Aussehen hat mir nicht gefallen.
  • Sport machte weniger Spaß, sogar beim Spazierengehen und Radfahren war ich langsamer.
  • Meine Kleidung war unbequem oder passte nicht mehr.

Das war nicht ich!

Und das Schlimmste:
Die Unzufriedenheit über meine Zunahme führte zu erneuten Essanfällen.

Meine ersten Versuche mit intuitivem Essen hatten weder mein Verhältnis zum Essen verbessert noch zu einer Gewichtsabnahme geführt.

Jetzt könnte man einwenden: Hätte ich nicht an meiner Unzufriedenheit über meine Gewichtszunahme arbeiten sollen anstatt mein Essverhalten zu ändern?

Vielleicht.
Toll, wenn andere das können.
Aber das war und ist nicht mein Weg.

Deswegen ist es mir wichtig, dir zu zeigen, dass du mit intuitivem Essen nicht zunehmen musst.

Gerade, wenn du dich auf dem Weg der Heilung einer Essstörung wie Bulimie oder Binge Eating* befindest, ist es beruhigend zu wissen, dass du mit intuitivem Essen nicht (weiter) zunehmen wirst.

*Meine Aussagen über Essstörungen gelten nicht für Anorexie.
Wenn du unter einer Essstörung leidest, suche dir bitte Hilfe bei einem Arzt oder Therapeuten. Ich schreibe über gestörtes Essverhalten, Binge Eating und Bulimie, weil ich selber über 20 Jahre darunter gelitten habe. Die Ratschläge, die ich dir gebe, beruhen auf meinen eigenen Erfahrungen, die ich auf dem langen Weg aus der Essstörung gemacht habe. Ich bin keine ausgebildete Therapeutin oder Ernährungsberaterin, und das Lesen meines Blogs ersetzt keine Therapie.

Es ist ein schmaler Grad: Einerseits solltest du dich nicht auf dein Gewicht fokussieren. Andererseits ist es von Vorteil für deine Genesung, wenn dein Gewicht keinen großen Schwankungen unterliegt, was dazu führen könnte, dass du verzweifelt Maßnahmen ergreifst, um gegenzusteuern.

3. Bedingungslose Erlaubnis zum Essen

Warum hatte ich mit intuitivem Essen zugenommen?

Ich aß, wenn ich…

  • einsam war,
  • traurig war,
  • Nähe brauchte,
  • müde war,
  • gestresst war,
  • keine Lust auf etwas hatte.

Ich hatte Essen instrumentalisiert, um schwierige Gefühle besser aushalten zu können.

Hinzu kam, dass ich viele Lebensmittel ausprobieren wollte, die ich mir bislang verboten hatte.
Damals lebte ich in Russland, dort gibt es ein riesiges Angebot an leckeren Keksen und Backwaren, die wie selbstgebacken schmecken.

Wie funktioniert die bedingungslose Erlaubnis zum Essen?

Ein Grundsatz intuitven Essens lautet: Iss alles, was du willst.

Alle Nahrungsmittel sollen den gleichen Stellenwert haben, nichts ist verboten, besser oder schlechter.
Croissants, Äpfel, Schokomuffins, Proteinpulver, Keksteig-Eis oder Eisbergsalat – es ist egal, was du isst.

In den ersten Tagen und Wochen nach deiner bedingungslosen Erlaubnis hast du Lust auf alles Mögliche und probierst wild herum.
Das ist beängstigend, du überlegst vielleicht heimlich, die Kalorien zu überschlagen.

Mach das nicht.

Diese erste Phase ist wichtig, um dir selbst die Gewissheit zu geben, dass du wirklich alles essen darfst und nichts mehr verboten ist.

Erst, wenn du alles haben kannst, ist alles nicht mehr so interessant.

Nach einiger Zeit wirst du von selber Lust auf andere Dinge bekommen, eine wärmende Suppe, einen knackig-frischen Salat oder mediterranes Ofengemüse.

4. Fazit: Weg mit den Essverboten, her mit den Emotionen

Wenn du wie ich eine Gewichtszunahme nicht akzeptieren kannst oder willst, ist das in Ordnung.
Du kannst intuitiv essen lernen ohne zuzunehmen, wenn du bereit bist, gleichzeitig an deinen Gefühlen und Bedürfnissen zu arbeiten.

Das ist anstrengend, aber möglich.

  • Frag dich, wenn du Hunger spürst, welche Art von Hunger es ist: Magenhunger, Augenhunger, Nasenhunger?
  • Warum willst du essen? Weil du immer um diese Uhrzeit isst, weil alle anderen essen, weil der Kuchen noch herumsteht oder weil du wirklich Nahrung brauchst?
  • Wie geht es dir gerade? Stell dir die Frage mehrfach im Laufe eines Tages und lerne, immer besser einzuschätzen, was gerade mit dir los ist.
  • Was brauchst du? Ist es wirklich Essen oder Ruhe, Entspannung, frische Luft, Bewegung, Unterhaltung, Nähe?
Brauchst du jemanden, der dir beisteht? 
Kontaktiere mich gern für ein kostenloses Kennenlerngespräch und wir schauen, wie ich dich auf deinem Weg zu einem unbeschwerten Essverhalten unterstützen kann.

5. Ausblick: Intuitiv essen ohne zuzunehmen

In den kommenden Wochen und Monaten erwarten dich noch 7 weitere Artikel in der Serie Intuitiv essen ohne zuzunehmen.

Freu dich schon einmal auf:

  • Alles essen, was du willst
  • Wenn ich mir alles erlaube, esse ich nur noch Süßigkeiten!
  • Wie hörst du wirklich auf deinen Körper?
  • Hungern, um intuitiv abzunehmen?
  • Wie viele Mahlzeiten am Tag?
  • Snacken: Okay oder No-Go?
  • Ist die Fokussierung auf bestimmte Lebensmittel sinnvoll?
  • Das Geheimnis schlanker intutiver Esser*innen

Bildquelle: © Unsplash: Claudio Schwarz | @purzlbaum 

Welche Fragen rund um das intuitive Essen ohne Gewichtszunahme brennen dir unter den Nägeln? Schreib sie gern in die Kommentare!

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