Urlaub ohne Kind: Wie lange kann ein Kleinkind allein beim Papa bleiben?

Urlaub ohne Kind: Wie lange kann ein Kleinkind allein beim Papa bleiben?

Ich war neun Tage mit dem Fernbus in Südfrankreich und Spanien unterwegs – ohne meine Tochter. Wie fühlt es sich an, ohne Kind zu verreisen? Wie lange kann ein Kleinkind allein beim Papa bleiben? Und was spricht überhaupt für Urlaub ohne Kind?

1. Meine erste Reise ohne Kind

Bei Geschiedenen im Wechselmodell sind die Kinder abwechselnd eine Woche bei der Mutter und eine beim Vater.

Da dachte ich mir, warum nicht diese Zeit nutzen, um im Ausland abzuhängen und entspannt bei der Arbeit ein Cerveza (Bier) zu trinken?

Ich war schon oft mit meiner Tochter allein weg. Das erste Mal, als sie zwei Monate alt war (eine Woche bei den Großeltern). Zuletzt blieb der Papa drei Wochen ohne die Kleine, wir waren mit einer Freundin in Polen und danach noch mit der Oma verreist.

Und jetzt ich. Der erste Urlaub ohne Kind.
Übernachtet habe ich schon einmal ohne sie, M war bei Oma, ich bei einer Freundin im Nachbarort. Selbst wenn mitten in der Nacht etwas passiert wäre, hätte ich notfalls zu ihr hinjoggen können.

Und jetzt Spanien.

Ganz schön weit weg von Belgien.

Aber die Schwieger-Oma ist zuhause, ein weiblicher, weicher Part, den ich wichtig finde für alle Kinder, egal ob Jungen oder Mädchen, empfindsam oder eher robust.

2. Warum ein Kleinkind allein beim Papa lassen?

Füge ich als Mutter meinem Kind Schaden zu, wenn ich ohne es verreise? Oder klammere ich zu sehr und kann meinem Kind zuliebe gar nicht früh genug anfangen, loszulassen? Und warum stellen sich Väter diese Frage nicht? Oder sprechen sie nur nicht darüber?

Zumindest bekommen sie keine Vorwürfe zu hören, wenn sie mal ein paar Tage nicht da sind. Das sieht bei Müttern ganz anders aus.
#Rabenmutter

Welche Gründe gibt es, ein Kleinkind allein beim Papa zu lassen?

2.1. Loslassen lernen

Gerade Mütter, die zu Überängstlichkeit, Bemutterung und Helikopter-Verhalten neigen, profitieren davon, ihren kleinen Schatz auch einmal anderen Menschen anzuvertrauen. Und nicht nur sie, auch für ihre Kinder sind unterschiedliche Einflüsse durch verschiedene Bindungspersonen vorteilhaft.

2.2. Sich etwas Gutes tun

Kinder, Arbeit, Haushalt, Beziehung. Ach ja, mich gibt es ja auch noch!

Sich selbst und seinen Kinder zuliebe sollte man sich regelmäßig etwas Gutes tun, etwas nur für sich machen. Denn mit aufgeladenen Batterien kann fällt es viel leichter, sich auf seine Kinder einzulassen und nicht bei jedem Murks sofort aus der Haut zu fahren.

Nur, wenn der Kelch gefüllt ist, kann man anderen etwas geben.
Sorge also stets dafür, gut gefüllt zu sein und im Alltag nicht auszubrennen.
Was ist dazu besser geeignet als ein Urlaub ohne Kind?

Mehr Tipps für ein entspannteres Leben als Mama findest du hier:

2.3. Perspektivwechsel

Warum ich überhaupt so ein großer Fan vom Reisen bin? Weil man beim Reisen den Perspektivwechsel übt.

Sich an neuen Orten zu befinden, macht es möglich, sich und seine Situation von außen zu betrachten. Reisen schärft den Blick auf sich selbst.

Dazu ist es wichtig, aus den Routinen rauszukommen und aus all dem, was im Alltag so selbstverständlich erscheint.

Ein bisschen geht das auch in der Sächsischen Schweiz oder in Bensersiel, aber noch viel besser, wenn du eine andere Sprache hörst und die Menschen sich anders verhalten. Das relativiert das Süppchen, in dem du zuhause sonst vor dich hinköchelst und macht dir die Freiheit bewusst, die du hast, dein Leben zu gestalten.

2.4. Homeoffice im Fernbus

Meine Entscheidung für eine Reise ohne Kind hatte einen ganz pragmatischen Grund: Ich konnte unterwegs arbeiten.

Mit einem Job, der mehrere Stunden Anwesenheit vor dem Computer erfordert, zu verreisen, ist mit einem Kleinkind nicht so spaßig. Besonders, wenn man mit dem Papa nicht mehr zusammen ist und allein für die Unterhaltung verantwortlich ist.

Hinzu kommt, dass eine Low-Budget-Reise mit dem Fernbus nichts für quirlige Kleinkinder ist. Zug ja, Bus nein.
So kam es, dass Eule Rosi und ich allein auf Patt gingen.

3. Ferien ohne Kind: Meine Erfahrungen

Ich bin also alleine losgefahren, mit einer Handvoll Klamotten, einem Yogahandtuch und meinem Arbeitscomputer im Gepäck.
Und, wie gesagt, Rosi war auch dabei.

Stofftiereule Rosi im Flixbus

Die ersten Tage in Bordeaux sind toll.

Spazieren.
Ausschlafen.
Lesen.
Machen, was ich will.

Ich telefoniere jeden Tag mit meiner Tochter, sie ist fröhlich und freut sich, mich zu sehen. Sie fragt, ob ich in meiner Wohnung bin.

Dann Bilbao
Mir wird mulmig zumute.

Ich sehne mich nach M.
Geht es ihr auch gut?
Fragt sie nach mir?
Was geht in M vor, wenn sie nach mir fragt?
Was mache ich hier eigentlich?

Ich schaue nach Flügen und Bussen. Nach Paris, nach Brüssel, nach Eindhoven und nach Antwerpen. Entscheide mich, es auszuhalten. Zu warten. Loszulassen. Wonach sehne ich mich eigentlich?

Schließlich buche ich meinen Flixbus doch um und komme ein paar Stunden früher zuhause an. Sonst hätte ich wegen eines Familienfests den kleinen Schatz noch einen Tag später gesehen.

Das Arbeiten war spitze. Wie zuhause auch bin ich zwischen 5 und 6 aufgestanden, habe geschrieben, Yoga gemacht (dank der Live-Übertragung aus der Shala sogar mit Unterstützung) und gearbeitet. In der Mittagspause habe ich mir die Gegend angeschaut und nach Feierabend (dank meiner Teilzeitstelle ist der schon um 15:45) lange Spaziergänge unternommen, im Atlantik geschwommen, auf Plätzen rumgesessen und Biere getrunken.

Stofftiereule Rosi am Strand
Rosi am Atlantik

4. Mama ohne Kind im Urlaub: Und was sagt das Kind?

In den Videoanrufen ist M fröhlich und zeigt mir ihre neuesten Ü-Eier-Figuren. Falls es mir nicht verschwiegen wurde, hat sie nicht weinend nach mir verlangt oder mich überhaupt spürbar vermisst.

5. Fazit: Ohne Kind verreisen

Neun Tage sind für den ersten Urlaub ohne Kind zu lang.

Besser: Klein anfangen, ein Wochenende in der Nähe verbringen und dann Distanz und Dauer langsam steigern. Ansonsten riskierst du, dein Kind furchtbar zu vermissen und genießt deine Reise nicht.

Eine Freundin erzählte mir neulich von der Regel, dass man so lange von seinem Kind getrennt sein sollte, wie das Kind alt ist.
Ein dreijähriges Kind lässt man also besser nicht eine Woche allein beim Papa, sondern nur drei Tage.
Erst, wenn das Kind sieben Jahre alt ist, ist eine Woche eine angemessene Zeit.

Dies deckt sich mit meiner Erfahrung, die ersten drei Tage ohne Kind unterwegs waren prima, danach wurde es unangenehm.
Wenn du noch nie ohne dein Kind verreist bist, orientiere dich für den Anfang an dieser Daumenregel.

Würdest du Urlaub ohne dein Kind machen? Hast du es schon einmal für mehrere Tage allein beim Papa gelassen? Ich bin gespannt auf deinen Kommentar!

Marion

Marion

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5 thoughts on “Urlaub ohne Kind: Wie lange kann ein Kleinkind allein beim Papa bleiben?

  1. Martina says:

    Hallo Marion,
    danke für Deinen spannenden Bericht – auch zur Verbindung von Homeoffice und Reisen!
    Liebe Grüße

    Antworten
    1. Marion says:

      Liebe Martina,

      sehr gern! 🙂
      Versuchst du auch, Homeoffice und Reisen (mit oder ohne Kind) zu verbinden?

      Herzliche Grüße
      Marion

      Antworten
  2. D. says:

    Mein Kind ist durch künstliche Befruchtung entstanden, mein lange unerfüllter Kinderwunsch wirkt noch nach. Ich kann es mir nicht vorstellen ohne meinen Sohn zu verreisen. Mal gucken wie ich das sehe wenn er größer und anstrengender wird. 😄

    Antworten
    1. Marion says:

      Liebe D.,

      das kann ich gut verstehen. Wir leben im Wechselmodell (wechseln alle drei Tage) und für mich ist es immer noch schwer, eine halbe Woche ohne meine Tochter zu sein.

      Alles Gute und herzliche Grüße
      Marion

      P.S. Das scheint nur so, Rosi ist ein ganz lieber Vogel. 😉

      Antworten

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