Urlaub ohne Kind: Wie lange kann ein Kleinkind allein beim Papa bleiben?

Urlaub ohne Kind: Wie lange kann ein Kleinkind allein beim Papa bleiben?

Ich war neun Tage mit dem Fernbus in Südfrankreich und Spanien unterwegs – ohne meine Tochter. Wie fühlt es sich an, ohne Kind zu verreisen? Wie lange kann ein Kleinkind allein beim Papa bleiben? Und was spricht überhaupt für Urlaub ohne Kind?

Jetzt auch als Folge 49 des Frugales-Glück-Podcasts!

1. Meine erste Reise ohne Kind

Bei Geschiedenen im Wechselmodell sind die Kinder abwechselnd eine Woche bei der Mutter und eine beim Vater.

Da dachte ich mir, warum nicht diese Zeit nutzen, um im Ausland abzuhängen und entspannt bei der Arbeit ein Cerveza (Bier) zu trinken?

Ich war schon oft mit meiner Tochter allein weg. Das erste Mal, als sie zwei Monate alt war (eine Woche bei den Großeltern). Zuletzt blieb der Papa drei Wochen ohne die Kleine, wir waren mit einer Freundin in Polen und danach noch mit der Oma verreist.

Und jetzt ich. Der erste Urlaub ohne Kind.
Übernachtet habe ich schon einmal ohne sie, M war bei Oma, ich bei einer Freundin im Nachbarort. Selbst wenn mitten in der Nacht etwas passiert wäre, hätte ich notfalls zu ihr hinjoggen können.

Und jetzt Spanien.

Ganz schön weit weg von Belgien.

Aber die Schwieger-Oma ist zuhause, ein weiblicher, weicher Part, den ich wichtig finde für alle Kinder, egal ob Jungen oder Mädchen, empfindsam oder eher robust.

2. Warum ein Kleinkind allein beim Papa lassen?

Füge ich als Mutter meinem Kind Schaden zu, wenn ich ohne es verreise? Oder klammere ich zu sehr und kann meinem Kind zuliebe gar nicht früh genug anfangen, loszulassen? Und warum stellen sich Väter diese Frage nicht? Oder sprechen sie nur nicht darüber?

Zumindest bekommen sie keine Vorwürfe zu hören, wenn sie mal ein paar Tage nicht da sind. Das sieht bei Müttern ganz anders aus.
#Rabenmutter

Welche Gründe gibt es, ein Kleinkind allein beim Papa zu lassen?

2.1. Loslassen lernen

Gerade Mütter, die zu Überängstlichkeit, Bemutterung und Helikopter-Verhalten neigen, profitieren davon, ihren kleinen Schatz auch einmal anderen Menschen anzuvertrauen. Und nicht nur sie, auch für ihre Kinder sind unterschiedliche Einflüsse durch verschiedene Bindungspersonen vorteilhaft.

2.2. Sich etwas Gutes tun

Kinder, Arbeit, Haushalt, Beziehung. Ach ja, mich gibt es ja auch noch!

Sich selbst und seinen Kinder zuliebe sollte man sich regelmäßig etwas Gutes tun, etwas nur für sich machen. Denn mit aufgeladenen Batterien kann fällt es viel leichter, sich auf seine Kinder einzulassen und nicht bei jedem Murks sofort aus der Haut zu fahren.

Nur, wenn der Kelch gefüllt ist, kann man anderen etwas geben.
Sorge also stets dafür, gut gefüllt zu sein und im Alltag nicht auszubrennen.
Was ist dazu besser geeignet als ein Urlaub ohne Kind?

Mehr Tipps für ein entspannteres Leben als Mama findest du hier:

2.3. Perspektivwechsel

Warum ich überhaupt so ein großer Fan vom Reisen bin? Weil man beim Reisen den Perspektivwechsel übt.

Sich an neuen Orten zu befinden, macht es möglich, sich und seine Situation von außen zu betrachten. Reisen schärft den Blick auf sich selbst.

Dazu ist es wichtig, aus den Routinen rauszukommen und aus all dem, was im Alltag so selbstverständlich erscheint.

Ein bisschen geht das auch in der Sächsischen Schweiz oder in Bensersiel, aber noch viel besser, wenn du eine andere Sprache hörst und die Menschen sich anders verhalten. Das relativiert das Süppchen, in dem du zuhause sonst vor dich hinköchelst und macht dir die Freiheit bewusst, die du hast, dein Leben zu gestalten.

2.4. Homeoffice im Fernbus

Meine Entscheidung für eine Reise ohne Kind hatte einen ganz pragmatischen Grund: Ich konnte unterwegs arbeiten.

Mit einem Job, der mehrere Stunden Anwesenheit vor dem Computer erfordert, zu verreisen, ist mit einem Kleinkind nicht so spaßig. Besonders, wenn man mit dem Papa nicht mehr zusammen ist und allein für die Unterhaltung verantwortlich ist.

Hinzu kommt, dass eine Low-Budget-Reise mit dem Fernbus nichts für quirlige Kleinkinder ist. Zug ja, Bus nein.
So kam es, dass Eule Rosi und ich allein auf Patt gingen.

3. Ferien ohne Kind: Meine Erfahrungen

Ich bin also alleine losgefahren, mit einer Handvoll Klamotten, einem Yogahandtuch und meinem Arbeitscomputer im Gepäck.
Und, wie gesagt, Rosi war auch dabei.

Stofftiereule Rosi im Flixbus

Die ersten Tage in Bordeaux sind toll.

Spazieren.
Ausschlafen.
Lesen.
Machen, was ich will.

Ich telefoniere jeden Tag mit meiner Tochter, sie ist fröhlich und freut sich, mich zu sehen. Sie fragt, ob ich in meiner Wohnung bin.

Dann Bilbao
Mir wird mulmig zumute.

Ich sehne mich nach M.
Geht es ihr auch gut?
Fragt sie nach mir?
Was geht in M vor, wenn sie nach mir fragt?
Was mache ich hier eigentlich?

Ich schaue nach Flügen und Bussen. Nach Paris, nach Brüssel, nach Eindhoven und nach Antwerpen. Entscheide mich, es auszuhalten. Zu warten. Loszulassen. Wonach sehne ich mich eigentlich?

Schließlich buche ich meinen Flixbus doch um und komme ein paar Stunden früher zuhause an. Sonst hätte ich wegen eines Familienfests den kleinen Schatz noch einen Tag später gesehen.

Das Arbeiten war spitze. Wie zuhause auch bin ich zwischen 5 und 6 aufgestanden, habe geschrieben, Yoga gemacht (dank der Live-Übertragung aus der Shala sogar mit Unterstützung) und gearbeitet. In der Mittagspause habe ich mir die Gegend angeschaut und nach Feierabend (dank meiner Teilzeitstelle ist der schon um 15:45) lange Spaziergänge unternommen, im Atlantik geschwommen, auf Plätzen rumgesessen und Biere getrunken.

Stofftiereule Rosi am Strand
Rosi am Atlantik
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4. Mama ohne Kind im Urlaub: Und was sagt das Kind?

In den Videoanrufen ist M fröhlich und zeigt mir ihre neuesten Ü-Eier-Figuren. Falls es mir nicht verschwiegen wurde, hat sie nicht weinend nach mir verlangt oder mich überhaupt spürbar vermisst.

5. Fazit: Ohne Kind verreisen

Neun Tage sind für den ersten Urlaub ohne Kind zu lang.

Besser: Klein anfangen, ein Wochenende in der Nähe verbringen und dann Distanz und Dauer langsam steigern. Ansonsten riskierst du, dein Kind furchtbar zu vermissen und genießt deine Reise nicht.

Eine Freundin erzählte mir neulich von der Regel, dass man so lange von seinem Kind getrennt sein sollte, wie das Kind alt ist.
Ein dreijähriges Kind lässt man also besser nicht eine Woche allein beim Papa, sondern nur drei Tage.
Erst, wenn das Kind sieben Jahre alt ist, ist eine Woche eine angemessene Zeit.

Dies deckt sich mit meiner Erfahrung, die ersten drei Tage ohne Kind unterwegs waren prima, danach wurde es unangenehm.
Wenn du noch nie ohne dein Kind verreist bist, orientiere dich für den Anfang an dieser Daumenregel.

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Würdest du Urlaub ohne dein Kind machen? Hast du es schon einmal für mehrere Tage allein beim Papa gelassen? Ich bin gespannt auf deinen Kommentar!

Marion

Marion

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11 Kommentare zu “Urlaub ohne Kind: Wie lange kann ein Kleinkind allein beim Papa bleiben?

  1. Martina says:

    Hallo Marion,
    danke für Deinen spannenden Bericht – auch zur Verbindung von Homeoffice und Reisen!
    Liebe Grüße

    Antworten
    1. Marion says:

      Liebe Martina,

      sehr gern! 🙂
      Versuchst du auch, Homeoffice und Reisen (mit oder ohne Kind) zu verbinden?

      Herzliche Grüße
      Marion

      Antworten
      1. Lisa says:

        Hallo, wir waren zwei Monate zu viert auf Elternzeitreise, aber aus finanziellen Gründen ist der Papa mit dem großen Kind (34 Monate alt) eher abgereist. Nach zwei Wochen hat sie bei jedem Telefonat geweint und ich ebenfalls nur noch weinend Fotos angeschaut, wenn ich abends neben dem Baby lag. Drei Wochen haben wir durchgehalten und dann habe ich sie zuhause überrascht, als sie vom Mittagsschlaf aus dem Zimmer kam. Einen Monat lang sagte sie andauernd, dass Mama nicht mehr mit dem Zug wegfahren sollte… Wir fanden 10-12 Tage mit andauerndem Alltag wie Tagesmutter total in Ordnung, aber darüber wird es wirklich schwer.

        Antworten
        1. Marion says:

          Hallo Lisa,

          vielen Dank für das Teilen deiner Erfahrungen.
          Drei Wochen sind wirklich lang, ich kann gut verstehen, dass du zurückgefahren bist.
          Momentan ist meine Tochter mit dem Papa unterwegs und mir war schon nach 3 Tagen komisch zumute.
          Alles Gute für euch!

          Herzliche Grüße
          Marion

          Antworten
  2. D. says:

    Mein Kind ist durch künstliche Befruchtung entstanden, mein lange unerfüllter Kinderwunsch wirkt noch nach. Ich kann es mir nicht vorstellen ohne meinen Sohn zu verreisen. Mal gucken wie ich das sehe wenn er größer und anstrengender wird. 😄

    Antworten
    1. Marion says:

      Liebe D.,

      das kann ich gut verstehen. Wir leben im Wechselmodell (wechseln alle drei Tage) und für mich ist es immer noch schwer, eine halbe Woche ohne meine Tochter zu sein.

      Alles Gute und herzliche Grüße
      Marion

      P.S. Das scheint nur so, Rosi ist ein ganz lieber Vogel. 😉

      Antworten
  3. Dennis says:

    Liebe Marion
    Ich denke, dass das Verreisen ohne Kind immer ganz individuell, so wie es sich alle Beteiligten gut anfühlt, richtig ist. Wenn sich die Erwachsenen wohl gefühlt haben… hat das bei uns auch gut mit kleinen… selbst sehr kleinen Kindern geklappt. Und das unabhängig ob es das verlängerte Wochenende für gestresste Eltern mit Schreibaby – war ich froh als die 3 Tage rum waren – oder zwei Wochen Fernreise meiner besseren Hälfte mit bester Freundin waren.
    Wichtig war uns immer gute Planung und ein Netzwerk von Ähnlich-gesinnten … was tun im Notfall? Gebraucht haben wir dies nie… aber es war sowohl als Urlauber als auch als Kinderhüter beruhigend.
    Liebe Grüsse, Dennis

    Antworten
    1. Marion says:

      Hallo Dennis,

      vielen Dank für das Teilen deiner Erfahrungen. Toll, dass ihr die Auszeiten ohne Kind so gut organisiert habt.
      Und vor allem, dass ihr euch gegenseitigt ermöglicht, auch mal ohne Nachwuchs zu verreisen. 🙂

      Liebe Grüße
      Marion

      Antworten
  4. Julia says:

    Hallo Marion,

    ich verreise regelmäßig ohne Kinder. Angefangen habe ich als beide 2 und 4 Jahre waren. Ich habe von meiner Freundin ein Konzert in Dublin geschenkt bekommen und wir waren 4 Tage da. Sie waren beim Papa immer gut versorgt. Danach bin ich alle zwei Jahre für eine Woche – zusammen mit meiner Schwägerin – verreist, das letzte Mal im Herbst 2021.
    Am Anfang habe ich gelitten, aber diese Auszeit hat mir jedesmal geholfen wieder zu mir zu finden, wieder mal nur Julia zu sein und mich mal nur um mich zu kümmern. Ich war immer da für die Kids, sie konnte mich erreichen, wie haben videotelefoniert.
    Mittlerweile sind sie 14 und 16 und auch wenn es einem der Kinder schwer fällt, wenn ich weg bin (Corona lässt grüßen), weiss ich nach wie vor, dass sie gut versorgt sind.
    Wenn der Papa weg war, war es übrigens nie ein Problem.
    Liebe Grüße
    Julia

    Antworten
    1. Marion says:

      Hallo Julia,

      vielen Dank für das Teilen deiner Erfahrungen.
      Wahrscheinlich muss man durch das Leiden durch, um wieder mehr zu sich zu finden als Mutter.
      Vielen Mamas würde es sicher guttun, sich mehr Zeit für sich zu nehmen und ein, zweimal im Jahr für ein paar Tage wegzufahren.
      Bei meiner Tochter ist es auch so, dass sie den Papa nicht so sehr vermisst.

      Herzliche Grüße
      Marion

      P.S. Dein Blog ist großartig! 😍

      Antworten

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