Die drei goldenen Prinzipien des Minimalismus

Die drei goldenen Prinzipien des Minimalismus

Was bedeutet minimalistisch leben? Welche Haltungen und Handlungen bilden die Grundlage des Minimalismus? Ich habe drei Prinzipien zusammengestellt, die für mich den Kern des Minimalismus ausmachen.

1. Nichts kaufen und warten

Minimalismus wird oft mit Ausmisten gleichgesetzt.

Ausmisten ist für viele der erste logische Schritt zu einem minimalistisch(er)en Leben.

So wichtig Ausmisten auch ist – entscheidend ist, was danach kommt.
Wenn du dich von allem Überflüssigen trennst, aber dein Konsumverhalten nicht änderst, bist du schnell wieder da, wo du angefangen hast.

Deshalb ist nichts kaufen und warten für mich das erste Prinzip des Minimalismus.

Wie funktioniert das Prinzip?

Wenn ich etwas kaufen möchte, schreibe ich es auf einen Notizzettel.

Und warte.

Nach spätestens einer Woche habe ich vergessen, was ich kaufen wollte.

Mit dieser Strategie des Abwartens lassen sich Impulskäufe vermeiden. Und vieles von dem, was wir besitzen und nicht nutzen, sind Impulskäufe.

Werbung zielt auf unsere Emotionen, selten auf unseren Verstand.
Sie erzeugt Bedürfnisse und Wünsche, von denen wir gar nicht wussten, dass wir sie haben.

Warten und nichts kaufen schlägt dieser Masche ein Schnippchen.
Auf diese Weise habe in diesem Jahr mehr als 1000 2000 Euro gespart und eine Menge Zeug nicht gekauft (Fahrrad, Handy, Laufschuhe, Nagelfeile, Proteinpulver, Bikini, Yoga-Top, Fahrradtaschen, Messenger-Rucksack, Standmixer…)

Probier’s mal aus!

2. Multifunktionalität

Um uns einzureden, was wir alles brauchen, benötigen wir die Werbung gar nicht.
Das können wir am besten selbst.

Besonders monofunktionale Gegenstände eignen sich hervorragend für diese Art von Gedankenspielen:

  • Es regnet an drei Tagen hintereinander – ich brauche eine Regenjacke (und eine Regenhose, falls ich bei Regen mit dem Rad unterwegs bin).
  • Ich habe leckeren Reis beim Chinesen gegessen – ich brauche einen Reiskocher, um zuhause auch so tollen Reis zubereiten zu können.
  • Mit meinem Taschenmesser habe ich Stöcker im Wald geschnitzt – ich möchte ein professionelles Schnitzmesser.

Das Schema ist immer das gleiche: Du brauchst eine neue Funktion in deinem Leben – und kaufst einen Gegenstand, der genau diese Funktion hat.

Und so geht es immer weiter, denn monofunktionale Gegenstände ziehen einander magisch an:

  • Zur Regenjacke gesellen sich ein Regenschutz für den Rucksack und für die Schuhe.
  • Bald besitzt du nicht nur einen Reiskocher, sondern auch eine Sushi-Matte, einen Tangine-Topf und einen Wok (obwohl du auf einem Elektroherd kochst).
  • Aus Taschenmesser und Schnitzmesser erwächst rasch eine ganze Messersammlung, die Indianer Jones erblassen lassen würde.

Die minimalistische Lösung lautet Multifunktionalität.

Multifunktionalität bedeutet zweierlei:

  1. Ein Gegenstand als solcher hat mehrere Funktionen.
  2. Du verwendest ein Ding zu mehr als einem Zweck und machst es so zu einem multifunktionalen Gegenstand.
  • Eine Regenjacke kann man nicht nur bei Regen tragen, sie ist auch eine hervorragende Übergangsjacke (zumal es im Frühling und Herbst häufig regnet). Eine Alternative zur Regenjacke wäre ein Regencape, das nicht nur den Oberkörper, sondern auch die Beine und den Rucksack trocken hält.
  • Mit hochwertigem Reis und der richtigen Kochmethode gelingt Reis auch im Kochtopf.
  • Das Taschenmesser schnitzt die Stöcker ganz gut, ich bleib erstmal dabei.

Wenn du eine neue Funktion in deinem Leben brauchst, behelfe dich erst einmal mit den Dingen, die du bereits besitzt.

3. Maximal im Minimalen

Eigentlich hatte ich als drittes Prinzip des Minimalismus Riskieren vorgesehen, doch dann stieß ich auf das Konzept Maximal im Minimalen.

Worum geht es eigentlich beim Minimalismus?

Minimalistisch leben ist kein Selbstzweck, sondern ein Mittel, um die eigenen Werte in Erfahrung zu bringen und sein Leben an diesen Werten auszurichten.

Maximal im Minimalen ist genau das:

Du entscheidest dich für das, was dir wichtig ist und lässt alles andere bleiben.

Dieses Prinzip kann auf Gegenstände ebenso angewandt werden wie auf Tätigkeiten und soziale Beziehungen.

  • Kleidung:
    Du trägst am liebsten Kleider, besitzt aber auch noch eine Menge Röcke und Hosen – „für alle Fälle“. Dem maximal im Minimalen-Prinzip zufolge entscheidest du dich für die Kleider, kaufst vielleicht noch ein neues, das dir richtig gut passt, dazu und gibst die Hosen und Röcke weg.
  • Kochen:
    Du isst am liebsten Reis mit Gemüse, dennoch ist deine Küche voller exotischer Gewürze und besonderer Zutaten. Maximal im Minimalen bedeutet, dass du dich von all dem, was du nicht benutzt, trennst und stattdessen lieber in hochwertiges Bio-Gemüse oder einen praktischen Reiskocher investierst.
  • Hobbys:
    Laufen, Yoga, Zumba, Gitarrespielen, Zeichnen, Lesen, Fotografieren und Schachspielen. Der Maximalist im Minimalen macht lieber eine Sache ganz als viele nur halbherzig.
  • Freunde:
    Welche deiner Freunde rufst du an, wenn es dir richtig schlecht geht? Freunde hat man nicht einfach, um gute Beziehungen darf man sich kümmern, „pflegen“, wie es so schön heißt.
    Auf soziale Beziehungen angewandt bedeutet maximal im Minimalen, mehr Zeit in tiefe und enge Freundschaften zu investieren als in hundert oberflächliche Bekanntschaften.

Bildquelle: © Unsplash: Lucas Benjamin (Beitragsbild)

Was ist dir wichtig? Worauf möchtest du dich in Zukunft fokussieren, was dafür gehen lassen? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Kommentare

    1. Marion says:

      Hallo Dierker,

      welcher Aspekt interessiert dich denn besonders?

      Herzliche Grüße
      Marion

      Antworten

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