Minimalistische Kleidung: Capsule Wardrobe erstellen • Teil I

Minimalistische Kleidung: Capsule Wardrobe erstellen • Teil I

Röcke, Kleider, Jeans, Blusen, T-Shirts, Hoodies, Pumps, Stiefel und Turnschuhe – in deinem Kleiderschrank ist jeder Stil vertreten. Und obwohl er aus allen Nähten platzt, weißt du nie, was du anziehen sollst und kaufst immer noch mehr.
Ich zeige dir, wie du eine Capsule Wardrobe erstellst, die zu dir und deinem Leben passt. Mit minimalistischer Kleidung bist du nicht nur besser angezogen, sondern hast auch mehr Zeit, Geld und Energie für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens zur Verfügung.

1. Die Zahl der Wahl

37, 42 oder doch 74 Teile? Zählen Unterhosen eigentlich mit? Socken doppelt oder einzeln?
Oft wird Minimalismus durch Zahlen in Verruf gebracht – so auch beim Thema Kleidung.

Dabei geht es beim Minimalismus darum, Dinge zu besitzen, die einen Zweck erfüllen, dir einen Dienst erweisen, dich glücklich machen oder alles zusammen. Ob das einhundert oder fünftausendsiebenhundert Sachen sind, spielt gar keine Rolle.

Minimalistische Kleidung bedeutet, dass du nur noch die berühmten Lieblingsteile dein Eigen nennst. Dass du dich wohlfühlst und schön findest, es bequem hast und strahlen kannst.
Alles, was dich davon abhält, darf ab sofort jemand anderen glücklich machen.

Ich helfe dir dabei, herauszufinden, was bleiben soll und was gehen darf.
Los geht’s mit der Capsule Wardrobe!

2. Capsule Wardrobe erstellen: Stil finden statt ausmisten

Viele Anleitungen zum Erstellen einer Capsule Wardrobe beginnen mit dem Ausmisten des Kleiderschranks. Die Kleidungsstücke werden einer Befragung à la Marie Kondo unterzogen:

  • Freue ich mich, wenn ich dich sehe, gelbes T-Shirt mit Hawai-Print?
  • Machst du mich glücklich, Abi 2004-Kapuzenpullover?

Ich möchte anders beginnen: Bei deinem Stil.

Damit ist weniger gemeint, wie du dich faktisch kleidest, sondern wie du dich eigentlich kleiden möchtest.

Vielleicht besteht deine Garderobe aus weiten Jeans, sportlichen T-Shirts, klobigen Turnschuhen und bunten Jacken. Du hast gekauft, was in den letzten Jahren in war.
Das Ausmisten deines Kleiderschranks würde nun wenig bringen, wenn du eigentlich einen klassischen Stil mit schmal geschnittenen Hosen, Bleistiftröcken, schlichten Oberteilen und eleganten Stiefeletten bevorzugst.

Auch wenn das Beispiel übertrieben klingen mag: Wir kaufen das, was es in den Geschäften zu kaufen gibt. Die Trends der letzten Jahre schlagen sich in unserer Garderobe nieder, ob wir wollen oder nicht.

Das müssen nicht unbedingt Jeans mit Löchern oder weiße T-Shirts mit Markenaufdruck sein. Auch Farben, Materialien und Schnitte (high waist, low waist, breite Schultern, tiefe Taille…) unterliegen Trends. Bevor Senfgelb 2018 wieder in Mode kam, war es jahrelang unmöglich, Kleidung in dem satten Gelbton zu bekommen.

Ich habe eine Reihe von Fragen zusammengetragen, die dir dabei helfen, deinen Stil zu finden:

a) Was ist dein Ziel im Leben?

Was haben Lebenssinn und minimalistische Kleidung miteinander zu tun?

Stephanie sagte im Sustainable Minimalists Podcast etwas sehr Interessantes zum Thema Maniküre und Frisur in Corona-Zeiten: Zwar fände sie es schön, gut auszusehen, ihre Mission in der Welt sei aber eine andere, nämlich Menschen zu zeigen, wie sie mit Minimalismus ein glückliches und nachhaltigeres Leben führen können. Für die Schönheit gäbe es schließlich genug Frauen (und Männer), die mit ihrem Aussehen Geld verdienen.

Was ist dein Ziel im Leben? Was ist deine Mission? Worauf möchtest du im Alter zurückblicken und stolz sagen: „Das habe ich geschafft!“?

Vielleicht ist es deine Arbeit oder deine Familie. Oft ist es nicht ein großes Ziel, sondern viele kleine: einen Marathon laufen, Wien sehen und sterben, dich um dein Haustier kümmern.

Musst du für diese Dinge perfekt aussehen?

Wahrscheinlich nicht.

Es kann aber gut sein, dass es für deine Ziele nützlich ist, bequem, funktional und nachhaltig gekleidet zu sein.

Der Mythos Jede Frau braucht ein kleines Schwarzes gehört abgeschafft.

b) Welcher Stil passt zu dir?

Welche Art von Kleidung passt zu dir, worin fühlst du dich wohl?

Mit Wohlfühlen meine ich nicht sonntägliches Rumgammeln in Jogginghosen und Kapuzenpullover (obwohl das auch prima ist). Hier geht es darum, dass du dich von deinen Hosen, Shirts und auch von deiner Unterwäsche nicht eingeengt fühlst, dass nichts zwickt, spannt oder kratzt.

Jemand, der sich in seiner (zweiten) Haut rundum wohl fühlt, strahlt Schönheit von innen aus – etwas, das allein durch hochhackige Pumps und knallenge Jeans nicht zu erreichen ist.

Um deinem Stil auf die Spur zu kommen, hilft es, ein paar Begriffe zu kennen, die unterschiedliche Kleidungsstile beschreiben.

Hier ein paar Ideen:

  • Lässig / casual
  • Sportlich
  • Vintage / retro (Mode aus den 50er-, 60er-, 70er-, 80er- oder 90er-Jahren)
  • Elegant
  • Mondän
  • Verspielt, kindlich
  • Hippiesk, Boho
  • Urban / Hipster

Eine gute Inspirationsquelle ist Pinterest: Hier kannst du Pinnwände anlegen, auf denen du Bilder von Outfits und schönen Kleidungsstücken sammelst.

Das ist meine private Pinnwand mit Stil-Ideen:

Auf Pinterest kannst du Pinnwände anlegen, auf denen du Bilder von Outfits und schönen Kleidungsstücken sammelst.

b) Welche Kleidung brauchst du für deine Arbeit?

Arbeitest du in Leggings im Homeoffice, in legerer Kleidung in der Schule oder im Zweiteiler in der Bank?
Vielleicht trägst du Berufskleidung, weil du im Handwerk oder in der Pflege tätig bist.

Ich arbeite von zuhause aus und trage eine bequeme Hose und ein T-Shirt, das ich auch auf der Straße oder im Büro anziehen würde.
Elegante Röcke, Kleider und Blusen brauche ich für meine Arbeit nicht.
Da ich an zwei Tagen in der Woche meine Tochter zuhause betreue, wäre das doppelt unpraktisch.

c) Welche Kleidung brauchst du für deine Freizeit?

In meiner Freizeit trage ich dieselben Dinge wie bei der Arbeit.

Wenn ich ausgehe oder mich mit Freunden treffe, tausche ich die bequeme Hose gegen eine Jeans oder ein schlichtes Kleid.

Vielleicht bist du eher der Dress Up-Typ?
Das schließt minimalistische Kleidung nicht aus.
Zwei Kleider, ausgefallene Strumpfhosen und ein, zwei Paar hohe Schuhe reichen bei den meisten für das minimalistische Party-Outfit.
Trägst du gern verschiedene Kleider, könntest du sie auf Gebrauchtbörsen im Internet kaufen und wieder verkaufen. So sparst du Geld und hast dennoch immer wechselnde Outfits zur Verfügung.

Ich habe eine Schwäche für schöne Schuhe. Kurz vor meiner Schwangerschaft kaufte ich mir sagenhaft schicke schwarze Stiefeletten mit Plateau und einem rasanten Absatz von neun Zentimetern.
Nachdem ich einmal mit ihnen durch mein Viertel zum Second Hand-Shop gestakst war, wurde mir klar, dass das nicht ich war: Ich möchte mich frei bewegen und losrennen können, wenn mir danach ist. Obwohl ich früher bereits ähnliche Schuhe besessen und gern getragen hatte, fühlte ich mich falsch an. Ich verkaufte die sagenhaften Stiefeletten und habe sie nie vermisst. Mein Freund allerdings schon.

Um herauszufinden, wie du dich am besten kleidest, helfen diese Fragen:

  • Wie siehst du dich selbst?
  • Womit verbringst du deine Freizeit?
  • Wie möchtest du sein?
  • Welche Kleidungsstücke passen zu deinem Selbstbild?

Verbringst du deine Freizeit auf Teppichböden und Spielplätzen, bist du vermutlich genau wie ich mit bequemer und haltbarer Kleidung und flachen Schuhen am besten ausgestattet.

d) Welche Kleidung brauchst du für deine Hobbys?

Lesen und Blumenumtopfen erfordern keine Spezialkleidung, anders sieht es beim Wandern, Skifahren und Schwimmen aus.

Ich mache fünf- bis sechsmal in der Woche Sport (Yoga, Laufen, gelegentlich Gewichtheben, Schwimmen und Radfahren) und habe dafür die folgende Ausstattung:

  • Leggings
  • Kurze Laufhose
  • 2 Tops
  • T-Shirt
  • Longsleeve
  • Sport-BH
  • Fahrradhandschuhe (bei schwitzigen Händen super fürs Gewichtestemmen)
  • Fahrradhelm
  • Badeanzug
  • Schwimmbrille
  • Barfuß-Laufschuhe
Minimalistische Kleidung: Capsule Wardrobe erstellen - Sport
Meine minimalistische Sportkleidung für fünf Sportarten

Auf Reisen gehe ich gern wandern, dann trage ich einfach meine Laufschuhe oder Barfuß-Sandalen.

Fürs Snowboardfahren leihe ich mir eine Hose von meinem Freund. Meine Winterjacke ist gleichzeitig eine Ski- bzw. Snowboardjacke.

Welche Kleidung besitzt du für deine sportlichen Hobbys? Und was davon trägst du regelmäßig?

e) Minimalistische Garderobe: Multifunktionale Kleidung

Spätestens seit der Pandemie verschmelzen Arbeitszeit und Freizeit immer mehr miteinander. Junge Menschen finden es sinnlos, ihre kostbare Lebenszeit in eine tolle Freizeit und eine lästige Arbeitszeit aufzuteilen.

„Streichen Sie die Begriffe Arbeitszeit und Freizeit aus Ihrem Wortschatz, ersetzen Sie diese durch Lebenszeit und fragen Sie sich: Macht das Sinn, was ich mache?“

Götz Werner, dm-Gründer

Durch diese Veränderung unseres Lebens wird es einfacher, mit weniger Kleidung zurechtzukommen.
Wer hätte diesen Zusammenhang zwischen dem Corona-Virus und minimalistischer Kleidung vermutet?

Der Trick beim Aufbau einer minimalistischen Garderobe ist, möglichst viele multifunktionale Kleidungsstücke zu besitzen.

Ein paar Beispiele aus meinem minimalistischen Kleiderschrank:

  • Statt BHs trage ich Tops. Im Winter dienen sie gleichzeitig als Unterhemd, im Sommer trage ich sie zu Röcken oder kurzen Hosen.
  • Meine Winterjacke ist eine Snowboardjacke. Sie ist leicht, superwarm, schützt vor Regen, hat praktische Taschen, ist toll auf dem Fahrrad und kann sogar zum Snowboardfahren getragen werden. 😉
  • Die Barfußsandalen, die ich im Sommer trage, sind auch zum Wandern und Laufen geeignet.
  • Meine Laufschuhe (auch ein Barfuß-Modell) ziehe ich auf Reisen als leichte Sneaker an. So spare ich Platz im Rucksack und habe meine Laufschuhe immer dabei.
  • Die lange Leggings fürs Krafttraining dient auch als bequeme Haushose.
  • Eine meiner drei Jeans ist etwas weiter geschnitten, sodass ich sie ebenfalls als Hauskleidung tragen kann.
  • Mein ärmelloses Sommerkleid trage ich im Winter und Herbst mit einem T-Shirt darüber. So ist das Unterhemd gleich mit integriert.
Minimalistische Kleidung: Capsule Wardrobe erstellen - Mein Kleiderschrank
Meine Capsule Wardrobe

Im zweiten und dritten Teil (coming soon) geht es um die Umsetzung: Wie stellst du dir eine Capsule Wardrobe zusammen, wie findest du deinen Farb- und Figurtyp und was machst du mit deinen alten Sachen?

Bildquellen: © Unsplash.com: Henry & Co. (Beitragsbild), Jon Ly (Hut), Lona (elegant am Wasser), Hudson Hintze (schwarz gekleidet), freestocks (casual mit Jeans), Jason Leung (urban von hinten), Tamara Bellis (Punktekleid), Alexandra Mirgheș (Hippie), Lucas Lenzi (sportlich), Sharon McCutcheon (girly)

Hast du auch multifunktionale Kleidungsstücke? Brauchst du elegante Kleidung für deine Arbeit? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

6 Kommentare

    1. Marion says:

      Hallo Tamara,

      das freut mich! 🙂 Der zweite Teil ist für nächste Woche geplant.

      Herzliche Grüße
      Marion

      Antworten
  1. Alexandra says:

    Ohne BH geht für mich 75F Frau leider gar nicht! Vielleicht kannst du das ja mit aufnehmen. Ansonsten inspirierend.

    Antworten
    1. Marion says:

      Hallo Alexandra,

      vielen Dank für deinen Kommentar.
      Ich habe auch einen Beitrag über das Tragen von Kleidung ohne BH geschrieben, dort gehe ich auch auf große Brüste ein.
      Eine BH-freie Lösung habe ich leider für diesen Fall noch nicht gefunden. Vielleicht kannst du ein Modell empfehlen, das bequem ist und ausreichend Halt bietet?

      Herzliche Grüße
      Marion

      Antworten

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